Kuriose Ausstellungserlebnisse

 

Besucht man lange und oft genug Katzenausstellungen, dann kann man was erzählen. Hier eine kleine Auswahl denkwürdiger Begebenheiten. Leider kann ich mich nicht bei allen Erlebnissen an den  Ausstellungsort erinnern und eine Nennung von Namen habe ich mir bewusst verkniffen.


Bitte, friss was!

Der damals noch potente Kito wurde einem französischen Richter vorgestellt. Kito war zum Ausstellungszeitpunkt wahrlich nicht in Topform und es entspann sich folgender Dialog zwischen dem Richter und mir:

„Oh lala… Du bissdso dünn! Gibt Dir Dein Frauschen nischt genug zu fressöön?“

„Also… Kito hatte bis vor 3 Tagen noch ein Mädel und vor Eifer das Fressen vergessen…“

„Ah, so ainer bissdu also? Du denkst nur an Sääx? Du musst auch was fressöön und nischt nur an Sääx denken. Wenn Du nischt frisst, dann ‘ast Du kaine Kraft für Sääx.“

Mir war das schrecklich peinlich. Diskret suchte ich nach einer Falltür im Boden, durch die ich hätte verschwinden können…


Wie entledigt man sich lästiger Konkurrenz?

Eine Ausstellung in Heidelberg. Kito saß in einem der Wartekäfige hinter den Richtertischen und wartete auf seine Begutachtung. Das im benachbarten Wartekäfig eine rollige Katze saß, blieb ihm natürlich nicht verborgen. Die beiden versuchten alles, um sich miteinander bekannt zu machen. Sie sangen, purrten, kratzen an den Käfigwänden und pfötelten durch die Gitterstäbe. Aus Mangel an Erfahrung dachte ich nicht an mögliche Folgen beim Richten und als Kito endlich vorgestellt wurde, war die Sache so gut wie gelaufen. Der Kater war völlig aufgebracht und durcheinander, benahm sich eigenartig und hatte eine merkwürdig angespannte Körperhaltung. Zwar erhielt er seinen Punkt, doch die Chance auf eine Nomination und somit auf einen Sieg war futsch.

Leider passiert es immer wieder auf Ausstellungen, dass rollige Katzen präsentiert werden. Nun ja… diese Methode ist auch eine Möglichkeit, sich lästiger Konkurrenz zu entledigen…

FIFe-IC. Cormani's Blue Kito
früher Chefbefruchter, später Schmusemonster


Für kein Geld dieser Welt!

Robin Hood hatte schon sehr früh sein Championat (CH.) erreicht. Mit knapp 12 Monaten holte er in Luxemburg seinen ersten Auslandspunkt für den Titel Internationaler Champion (IC.). Plötzlich standen Besucher vor seinem Käfig und wollten uns Robin Hood alias Tayfun abkaufen. Das erste Kaufangebot betrug 900,-- €. Mein Mann, der mit Robin und Okima diese Ausstellung ohne mich bestritt, lehnte ebenso höflich wie entschieden ab. Die Leute ließen nicht locker, der Angebotspreis stieg immer höher. Zum Schluss boten die Besucher 4.000,-- € für den Kater. Mein Mann lehnte ebenso höflich wie entschieden ab. Der Aussteller nebendran meine: „Sind sie verrückt? Das kriegen Sie nie wieder geboten! Überlegen Sie mal, wie viele Birmakatzen Sie dafür kriegen! Schlagen Sie zu!“. Mein Mann erwiderte, dass ihm seine Frau (also ich höchstpersönlich!) dass Fell über die Ohren ziehen würde, käme er ohne Robin zurück. Wie Recht er doch hatte. Wäre er ohne Robin zu Hause aufgetaucht, hätte ich ihm die gepackten Plastiktüten vor die Tür gestellt. Die Leute müssen einfach mal begreifen, dass man auch für Geld nicht alles haben kann.


Genprobe gefällig?

Robin Hood sollte zum Richten. Dummerweise war unmittelbar zuvor eine offensichtlich rollige Katze gerichtet worden. Eine unschöne Sache, die Aussteller mit potenten Katern immer wieder in größte Bedrängnis bringt. Robin war nicht zu bremsen, er schnupperte, sang, suchte und war völlig außer Rand und Band. Es hätte nicht viel gefehlt und er hätte mitten auf den Wertungspapieren des Richters eine Spermaprobe hinterlassen. Mein Mann konnte Robin gerade noch rechtzeitig schnappen und absolvierte mit ihm eine 10-minütige Ehrenrunde durch die Ausstellungshalle, bis der Kater sich wieder beruhigt hatte. Danach verlief das Richten völlig problemlos und Robin Hood errang sogar den Rassesieg.

FIFe-EC. Robin Hood v.d. Saalburg
Ausstellungsprofi & Showtalent


Groß oder klein, wie darf's denn sein?

Eine Ausstellung in Wiesbaden. Alle waren noch fleißig beim Käfigdekorieren. Ich half einer Ausstellerin beim Anbringen der Käfig-Gardinchen. Ihr kleines Birmeli saß im Käfig, mit dem Rücken zu mir und ich meinte, das sei ein sehr schönes Mädchen. Die Dame wies mich leicht pikiert darauf hin, dass es sich hier um einen Kater handele. Kaum ausgesprochen stand das vermeintliche Mädchen auf und zeigte mir die größten Hoden, die ich jemals unter einem Birmapopo baumeln sah. Aufgrund der großen Hoden hätte ich dann fast auf einen Puma getippt… ich hab‘ mich so geschämt…

Selbe Ausstellung, selber Tag: Toulouse auf dem Richtertisch. Die niederländische Richterin bemerkte in kritischem Ton, dass der Kater doch sehr kleine Hoden hätte. Ich war empört und giftelte zurück: „JA! Aber zum Kindermachen reicht's allemal!“

Mal ehrlich, Leute! Wer will schon Hoden, so groß wie die Glocken von Notre Dame de Paris?!


Weißer als weiß!

Toulouse wurde einem russischen Richter vorgestellt. Der beäugte den Bauch unseres Schnuckels kritisch und meinte dann, der Kater habe einen weißen Fleck auf dem Bauch. Da verstieß ich gegen ein ungeschriebenes Gesetz: Man diskutiert nicht mit einem Richter, man streitet nicht mit einem Richter. Was er auch sagt, man nimmt es freundlich lächelnd hin. Aber ich konnte meine vorwitzige Klappe nicht halten und krakeelte: „Weißer Fleck auf weißem Bauch? Ui, toll! Das ist dann ungefähr so wie weiße Linie auf weißem Papier“. Alle Umstehenden lachten herzhaft. Doch mein Triumph währte nur kurz, die Strafe folgte prompt. Da ich den Richter so der Lächerlichkeit preisgegeben hatte, wurde Toulouse disqualifiziert wegen eines unsichtbaren weißen Bauchflecks…

Pikantes Detail am Rande: Ein sehr versierter Schweizer Birmazüchter und Langhaarichter stellte an diesem Tag selbst seine bildschönen Birmakatzen aus und war über dieses Fehlurteil hochgradig erbost. Doch das nützte nichts. Ein Richterurteil ist nicht anfechtbar.


Hilfe, ein rolliger Kater!

Mit Toulouse hatten wir anfangs ein kleines Problem auf Ausstellungen. Er wollte sich beim Richten einfach nicht präsentieren. Stellte man ihn auf den Richtertisch, ließ er sich auf den Bauch fallen und machte sich flach wie eine Bettwanze. Das war‘s. Sein Motto: Ich beweg mich hier keinen Millimeter mehr! Macht was ihr wollt, aber macht es schnell. Sein Bruder Robin Hood dagegen war von Anfang an das geborene Showtalent: den Richter schwindlig schmusen, dem Richter das Spielzeug mopsen, Desinfektionstücher vom Tisch schubsen, ein bisschen singen, ein bisschen den Macker spielen. Diese Show beherrschte Robin Hood perfekt.

Toulouse brauchte lange, bis er begriff, dass bloßes Daliegen null Punkte bringt. Dann ging ihm irgendwann wohl ein Licht auf und er präsentierte sich! Und wie! Toulouse schnurrte, schmuste, wälzte und rollte sich voller Wohlbehagen quer über den Tisch. Dieses Spiel trieb er mal so toll, dass eine deutsche Richterin begeistert ausrief: „Leute, schaut mal her! Ein rolliger Kater!“


Ich schleck Dich ab!

Unsere Jungs waren auf einer Ausstellung die Lieblinge eines italienischen Richters. Dieser war völlig hingerissen von den beiden und machte uns sogar ein Kaufangebot. Wir lehnten ab und der Richter zeigte Verständnis. Solche Schätzchen würde er auch nicht verkaufen. Besonders Toulouse hatte es ihm angetan. Toulouse lag auf dem Tisch und der Richter war so entzückt von unserem Dicken, dass er seinen haarlosen Kopf in dessen Bauchfell wuschelte. Und Toulouse? Der legte seine dicken Vorderpfoten auf den Schädel des Richters und schleckte ihm eifrig die Glatze.

Sollte Ihnen auf einer Ausstellung mal ein kahlköpfiger, italienischer Richter begegnen, dem vorne an der Stirn ein kleiner Haarschopf sprießt, dann ist das bestimmt die Folge der Haarwuchswunder-Katzenzungen-Glatzenmassage von Toulouse.


Wieso stinkt es hier so?

Jedes Jahr findet eine Katzenweltausstellung des FIFe-Verbandes statt, immer in einem anderen Land, rund um den Erdball. Im Oktober 2009 war Veranstaltungsort St. Gallen in der Schweiz. Es war eine sehr große Ausstellung mit Katzenzüchtern aus aller Herren Länder. Zu sehen waren insgesamt ca. 1.300 Katzen, davon 95 traumhaft schöne Birmelis in fast allen Farbvarianten. Gemäß einer Reportage des ostschweizerischen Fernsehens lockte diese FIFe-Weltausstellung weit über 7.000 Besucher an.

Toulouse sollte einer dänischen Richterin vorgestellt werden, doch schon der Weg zum Richterisch gestaltete sich ungewöhnlich schwierig. Toulouse quengelte und maunzte. Auf dem Richtertisch benahm er sich wieder sehr gesittet und flirtete mit der Richterin. Kaum hatte ich den Kater wieder im Arm, ging das Gemaule erneut los. Ich bat die Stewardess uns einen Wartekäfig zur Verfügung zu stellen, weil der Dicke sich so ungebärdig verhielt. Im Wartekäfig beruhigte sich der Kater etwas und das Warten begann. Es wurden noch weitere 7 Heilige Birmas in seal tabby point gerichtet. Toulouse wurde immer unruhiger und bekratzte hochkonzentriert den Käfigboden. Jetzt war klar: Alarmstufe rot, Stinkbombe im Anmarsch! Mein Mann wollte Herrn Katzinger schnell nochmal zum Ausstellungskäfig zurückbringen und dort auf die Pipibox setzen, doch die Stewardess ließ das nicht zu mit dem Hinweis, dass wir gleich noch mal zur Präsentation müssten. Nun ja… dieses „gleich“ zog sich hin. Toulouse platzierte zwischenzeitlich ein dickes, fettes Stinkehäufchen in den Wartekäfig und der Duft waberte bis hinauf zur Hallendecke. Schnell Küchenpapier und Sagrotan-Spray geholt, um das Malheur zu beseitigen. Kommentar der naserümpfenden Stewardess: „Bringen Sie das bitte ganz weit weg“. Noch ein mit Wasser befeuchtetes Küchentuch gezückt und den Katerpopo geputzt. Das ging nicht ohne Protestgeschrei ab. Schmutz am Popo war akzeptabel, ein feuchtes Küchentuch war es nicht! Und trotzdem errang Toulouse den Rassesieg und einen Ehrenpreis. Da sieht man mal: Wer kackt, gewinnt!

FIFe-EC. Toulouse v.d. Saalburg
das Birmakatzen-Bärchen

 

 

 

© Text & Fotos: Gisela Teubner