Kleiner Ausbrecherkönig


Picador war Sonnenschein, Spaßvogel und Tunichtgut unserer Kater-Gang. Er wurde von allen geliebt – auch von seinen Halbbrüdern, den Birma-Deckkatern Robin Hood und Toulouse. Picadors spezielles Hobby bestand im Ausbüxen…

Die ganze Rasselbande ist in der Etagenwohnung eines 3-Familienhauses beheimatet und Picador hatte es sich zur Aufgabe gemacht, uns durch seine Ausbrecherkünste auf Trab zu halten. Dabei ging er mit größter Raffinesse vor. Hörte er, dass man mit dem Wohnungsschlüssel hantierte (und geschah das auch noch so leise), huschte er wie ein geölter Blitz zur Wohnungstür und schlüpfte durch den kleinsten Türspalt. Dann ging es eilig die Treppe hinab. An der verglasten Haustür erfolgte ein kurzer Stopp, um schnell mal die Lage zu peilen. Doch das diente nur der Verwirrung seines Futterknechts, denn dieser glaubte: „Ha, jetzt hab ich dich!“. Weit gefehlt! Denn dicht vorbei ist auch daneben! Bevor ein Zugriff erfolgen konnte, drehte Picador sich geschwind um und flitzte die Kellertreppe hinunter. Dort warf er sich vor der offenen Tür, die zu Kellerräumen und Waschküche führt, auf den Rücken und rollte sich so lange bis er seinen Menschen sichtete, stand dann blitzschnell auf und verschwand im Kellerflur. Ich glaube, er hatte einen diebischen Spaß daran, uns immer wieder so zu veräppeln. Natürlich ließ er sich von seinem persönlichen Schmusesklaven wieder nach oben tragen: „Selbst laufen? Nach oben? Vom Keller bis in die 1. Etage? Bist du doof, Dosi?“

Ich ließ ihn auch schon mal laufen und folgte ihm nicht auf seinem Weg nach unten. Ganz dumme Idee! Dann stand Picador unten im Kellervorraum und plärrte aus Leibeskräften. Als wohlerzogener, gut konditionierter Mensch latschte man spätestens jetzt in den Keller um das arme, vernachlässigte, verlassene Katzilein zu holen.

Picadors beliebtester Trick bestand darin, in den Keller zu rennen und sich hinter der offenen Tür zu verstecken. Ich rief… nix… ich lockte… nix… doch sobald ich mich umdrehte und Anstalten machte die Kellertreppe wieder zu erklimmen, schaute der kleine Schelm hinter der offenen Tür hervor und maunzte als wolle er sagen: „He, hier bin ich doch! Lass mich nicht hier unten zwischen Spinnweben und Staubmäusen sitzen! Nimm mich mit!“. Ja, Picador wusste, wie man Personal auf Trab hält. Doch trotz oder gerade wegen solch schräger Einsätze liebten wir ihn!

Picador v.d. Saalburg
geliebter kleiner Kobold

 

 

 

© Text & Fotos: Gisela Teubner