Rassistische Birmas?


Auf einer Edelkatzenausstellung wurde mir mal von einer Britisch Kurzhaar-Züchterin vorgeworfen, Birmas seien die Rassisten unter den Katzen. Ich war so verblüfft über diesen Vorwurf, dass ich ganz spontan sagte: „Rassisten? Na, ja… sooo würde ich das nicht sagen. Ich denke, Birmchen sind eher Separatisten. Mit denen ist das wie mit den Bayern und dem Rest von Deutschland: Mia san mia!“ (An alle Bayern: Das ist kein Angriff auf euch! Ich liebe die Bayern, ehrlich!).

Allerdings konnte ich in meiner Kater-Gang folgendes beobachten: Mit meinen Birma-Boys lebte jahrelang mein kleiner Perser Maurizio zusammen (im Jahr 2005 verstorben), der ursprünglich vom Tierschutz kam. Maurizio war des Öfteren mal schlecht gelaunt, stänkerte manchmal auch ein wenig rum und es gab ab und zu Zänkereien zwischen Maurizio und den Birmelis. Zeitweilig musste man sehr wachsam sein, sonst wurde der kleine Perser von Okima und Kito gestellt und es gab heftig was auf's Schnäuzchen. Die Birma-Deckkater saßen oft dabei, genossen die Show oder machten ebenfalls Anstalten, ein bisschen mitzumischen: „He, Kumpels! Lasst uns da mal ran! Wir zeigen euch, wie man das methodisch angeht!“. Eine rühmliche Ausnahme bildete Picador. Er prügelte sich nicht. Picador prügelte sich nie! Das war unter seiner Würde. Aber die anderen Birmas hatten sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert und sich sehr rassistisch aufgeführt, denn es gab ausschließlich Haue für den Perser!

Eine Massenschlägerei unter Katzen ist furchtbar! Da wird gefaucht, gespuckt, gebissen, gejault, geknurrt und gekratzt. Die Fellfetzen fliegen im hohen Bogen durchs Zimmer. Irgendwann sind alle so in Rage, dass keiner mehr Freund von Feind unterscheidet. Rasend schnell sind alle Beteiligten ein Knäuel und es heißt: Jeder gegen jeden. Um Schlimmeres zu verhindern geht der verantwortungsvolle Futterknecht, Streichelsklave und Katzenkloreiniger mit Todesverachtung dazwischen und kriegt auch noch sein Fett weg *autsch-autsch*.

In meinem adeligen Herrenclub war Timmy vom Tierschutz viele Jahre lang Ehrenmitglied. Er kam mit allen anderen bestens aus. Obwohl Timmy ein echter Unruhestifter war und auch mal die Deckkater piesackte, gab es mit ihm nie eine ernsthafte Schlägerei. Im Ernstfall stellten sich die beiden Deckkater vor Timmy hin, schauten ihm gaaanz tief in die Augen… und schon war Ruhe. Nervenbündel Timmy trat dann mit einem leisen „Miau“ den geordneten Rückzug an. Aber ein kleiner Kommentar musste sein, wenigstens das letzte Wort musste er haben.

Kam es zwischen den Birmas und Timmy deshalb nie zum Pfotengemenge, weil der Moppel ebenso groß wie feige war? Oder nahmen ihn die Birmchen einfach nicht für voll? Das wird wohl für immer das Geheimnis meiner (schein-) Heiligen Birma-Boys bleiben…

FIFe-ECs. Toulouse & Robin Hood v.d. Saalburg
rassistisch oder standesbewusst?

 

 

 

© Text & Foto: Gisela Teubner