Liebe Frau Dr. Brehm,

 

wann ist endlich Schluss mit den Falschmeldungen über uns Katzen? Domestiziert? Von wegen! Ausgerechnet von den ersten Ackerbauern? Das ich nicht lache. Wer hat denn die Mäuse und Ratten kurz gehalten und die Ernten gerettet? Ich verlange eine Gegendarstellung!

 

Die Anwaltskosten…

…kannst Du Dir sparen, meine Liebe! Ihr Katzen habt euch beim Menschen eingeschmeichelt – egal wie Du es nennen willst. Nur wann und wo, war lange Zeit rätselhaft. Mittlerweile ist geklärt dass ihr weder von den ägyptischen Luxuspussys abstammt, noch dass ihr mitgespielt habt bei dem, was etwa Rinder, Pferde, Schweine, Ziegen und Schafe seit 10.000 Jahren mit sich machen ließen. Keine Katze wurde damals an die Kette gelegt, vor den Pflug gespannt, bei der Partnerwahl bevormundet, geritten, gemästet, gemolken, geschoren oder gar gegessen.


Weshalb nicht…

…muss ich Dir kaum erklären. Anders als die zur Domestikation einladenden Kandidaten wart ihr Miezen als räuberische Ich-AG unterwegs. Herden- oder Rudeldisziplin kanntet ihr so wenig wie Gehorsam gegenüber Anführern, egal ob Leitwolf, -hammel oder -hengst. Du wirst mir bestätigen, dass Katzen sich nun mal nicht herum kommandieren lassen.


Das erschwert…

…die Domestikation. Aber es macht sie nicht unmöglich, wie einige Deiner Vorfahren bewiesen haben. Ganz freiwillig sind sie eines Tages umgezogen ins neue, von Siedlern geschaffene Ökosystem eines fruchtbaren Landstrichs. Ob sie aushelfen wollten, wie Du meinst, ist zweifelhaft. Gehe lieber davon aus, dass sie die Hungerleiderei in der Wildnis satt hatten. Zoologen zufolge haben sie sich selber domestiziert, um ein sorgloses Leben im Haushalt der Menschen zu führen.

Ein kluger Schachzug, gerade was die evolutionäre Fitness-Bilanz betrifft. Auf eine Weltpopulation von einer Milliarde Hauskatzen hättet ihr es ohne Menschen schwerlich gebracht.


„Uns gehört die Welt!“

 

 

 

 

© Text: Dr. Lucy Brehm, Geo-Heft 09/2009
© Foto: Sergey Nievens