FLUTD - Erkrankungen der unteren Harnwege


FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease), die „unteren Harnwegserkrankungen der Katze“, beschreiben einen bei Katzen auftretenden Krankheitskomplex, der die ableitenden Harnwege (Harnblase und Harnröhre) betrifft. Unter FLUTD wurden früher alle Erkrankungen der unteren Harnwege eingeordnet. Inzwischen wird der Begriff nur noch für gutartige Infekte ohne erkennbare Ursachen verwendet: Die oft spontan binnen einer Woche ausheilende „idiopathische Zystitis“ (Blasenentzündung unbekannten Ursprungs). Über die Hälfte aller Blaseninfekte gehören in diese Kategorie. Weitere Ursachen für Blaseninfekte sind Bakterien oder Urinkristalle. Noch ist weitgehend unklar, ob Bakterien und Urinkristalle die Entzündung verursachen oder erst die Entzündung zur Kristallbildung und bakteriellen Besiedlung als Folge einer geschwächten lokalen (örtlichen) Immunabwehr führt. Eine angeborene Blasenmissbildung kann ebenfalls Harnwegsprobleme verursachen.

Besonders häufig sind Kater mittleren Alters, übergewichtige Katzen beiderlei Geschlechts und ausschließlich als Stubentiger lebende Katzen betroffen. Auffällig ist, dass Katzen, die eine Unterbrechung ihres gewohnten Tagesablaufs erleiden, sei es durch Wohnungswechsel oder Urlaub des Besitzers, durch das Zusammenleben mit anderen Katzen oder ungewohnte Situationen (neu hinzugekommener Familienzuwachs usw.) eher dazu neigen, an einer idiopathischen Zystitis zu erkranken. Vermutlich ist Stress ebenfalls ein auslösender Faktor für solche Infektionen oder trägt in erheblichem Maße dazu bei.


Diagnose & Behandlung

Blasenentzündungen äußern sich in verstärktem Harndrang. Die Katze besucht ständig die Katzentoilette, um kleine Urinmengen abzusetzen. Sie verbringt ungewöhnlich viel Zeit auf dem Örtchen, weil sie das Gefühl hat, nicht fertig zu werden. Auch außerhalb der Toilette hockt sie sich oft hin, als würde sie gleich urinieren – meist erfolglos. Das erkrankte Tier hat keinen Durst, ist ruhelos, nervös, zappelig, oft auch eifersüchtig. Beim Kater kann die Infektion zur Verlegung (Verschluss) der Harnröhre führen. Die Erkrankung tritt schubweise auf. Zwischen den symptomatischen Phasen wirkt die Katze gesund. Ein akuter Entzündungsschub dauert oft 2 – 4 Tage und verschwindet in vielen Fällen auch ohne Behandlung. Anzeichen eines akuten Schubs sind:

 

Starker Pressdruck beim Urinieren

Häufiges Urinabsetzen in kleinen Mengen (auch tröpfchenweise)

Jammern beim Urinabsetzen

Urinieren außerhalb der Katzentoilette (Unsauberkeit)

Blutiger Urin

 

Die Symptome sind nicht spezifisch für eine spezielle Erkrankung und können auch durch Harnsteine, bakterielle Entzündungen oder Harnblasentumore auftreten. Vor der Diagnosestellung „FLUTD“ müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Die Ausschluss-Diagnose erfolgt durch Urin-, Röntgen- und/oder Ultraschalluntersuchungen. Empfehlenswert sind auch Blutuntersuchungen zur Überprüfung der Nierenfunktion. In einigen Fällen kann zusätzlich eine Blasenspiegelung notwendig sein.

Eine Urinprobe von einer Katze zu erhalten ist oft eine große sportliche Herausforderung. Der Katzenfreund bekommt vom Tierarzt ein spezielles Granulat für die Katzentoilette mit, das er statt der normalen Einstreu verwenden soll. Das Kunststoffgranulat saugt den Urin nicht auf und man erhält eine unverschmutzte Probe. Leider habe ich die Erfahrung machen müssen, dass es bei meinen Jungs nicht funktionierte. Mein kleiner Nierenchroniker Picador verschmähte diese Einstreu und pinkelte stattdessen auf den Badezimmerteppich. Prinzipiell wurde von ihm jede ungewohnte Einstreu abgelehnt. Das Aufstellen einer mit Folie ausgekleideten oder leeren Katzentoilette half auch nicht weiter. Es wurde bei jeder sich bietenden Gelegenheit neben die Pipibox oder auf die Teppiche uriniert. Eine Urinprobe zu bekommen war immer ein Geduldsspiel.

Alternativ kann der Tierarzt versuchen über ein Blasenkatheter Urin zu gewinnen oder die Harnblase direkt durch die Bauchwand punktieren (Zystozentese). Da Katzen mit entzündeter Blase oft unter ständigem Harndrang leiden, ist die Blase meist leer und die Eingriffe bleiben erfolglos. Eventuell ist ein stationärer Aufenthalt in einer Kleintierklinik erforderlich. Dort wird die Katze infundiert (an den „Tropf gehängt“) um danach eine Urinprobe zu gewinnen.

Liegt keine Verlegung, ein kompletter Verschluss der Harnröhre vor, verschwinden die akuten Symptome oft innerhalb von 2 – 3 Tagen. Leider bekommen viele Katzen im Abstand von 6 – 12 Monaten immer wieder Probleme. Auch wenn beim Großteil aller Blasenentzündungen die Ursachen im Dunkeln liegen, sollte man bei jedem länger andauernden oder häufiger auftretenden Blaseninfekt Ursachenforschung betreiben. Da die genauen Ursachen der idiopathischen Zystitis nicht vollständig geklärt sind, gestaltet sich die Behandlung oft schwierig. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze:


Behandlung mit Antibiotika

Bakterielle Entzündungen bedürfen der Therapie mit geeigneten Antibiotika. Um das richtige Medikament zu finden, wird eventuell zuvor ein Resistenz-Test durchgeführt. Die Krankheitserreger werden isoliert, in der Bakterienkultur vermehrt und dann gezielt verschiedenen Antibiotika ausgesetzt. Das Ergebnis dieser mikrobiologischen Überprüfung ist das Antibiogramm. Getestet werden keine Fertigarzneimittel, sondern antibiotische Grundstoffe.


Schmerztherapie

Entzündungsreaktionen in der Blase sind oft sehr schmerzhaft. Schmerzen verursachen Stress. das führt zu einem Teufelskreis: Stress -> Entzündung -> Schmerzen -> Stress. Während der akuten Phase können vom Tierarzt krampflösende Medikamente und Schmerzmittel verabreicht werden (meistens für 2 – 3 Tage).


Erhöhte Flüssigkeitszufuhr

Eine Katze mit einem Gewicht von ca. 5 kg benötigt täglich 300 ml Flüssigkeit. Ein Teil dieser Menge nimmt sie mit dem Futter auf. Feuchtnahrung enthält etwa 80 %, Trockenfutter ungefähr 10 % Wasser. Studien belegen, dass eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst. Deshalb sollten Sie dem Tier mehr Nassfutter anbieten und die Gabe von Trockenfutter stark reduzieren. Sie können Ihre Katze austricksen und zu vermehrtem Trinken anhalten, wenn Sie das Nassfutter mit Wasser vermischen. Leicht tröpfelnde Wasserhähne, mit Wasser verdünnte, ungesalzene Hühnerbrühe oder Thunfischsaft können auch zum gewünschten Verhalten führen.

Kleiner Hinweis: Viele Katzenfreunde machen immer wieder den Fehler, Wasser- und Futternapf direkt nebeneinander zu stellen. Dadurch trinken viele Katzen meist nicht ausreichend. In freier Wildbahn trinkt keine Katze direkt neben ihrer erlegten Beute. Es wird niemals da getrunken wo gefressen wird! Viele unserer Hauskatzen verfügen heute noch über dieses evolutionäre Erbe. Deshalb sollte die Futterstelle immer ein gutes Stück von der Wasserquelle entfernt sein. Ideal sind spezielle Katzentrinkbrunnen.


Stressvermeidung

Auch wenn Bakterien oder Kristalle gefunden werden, reicht eine darauf gezielte Behandlung meist nicht aus, um die Symptome dauerhaft zu beseitigen. Wird eine idiopathische Zystitis diagnostiziert, sollten Sie zunächst nach Stressoren (Stress auslösenden Faktoren) fahnden. Das können andere Erkrankungen der Katze sein oder Dinge in der Umgebung des Tieres. Wenn möglich, sollten Sie die Stressoren beseitigen. Oft sind es Kleinigkeiten: Ein neues Örtchen fürs „Örtchen“, die Verwendung einer hochwertigeren Katzenstreu, ein anderer Futterplatz.

In reiner Wohnungshaltung lebende Katzen brauchen ausreichende Versteckmöglichkeiten, Kratzbäume und erhöhte Ruheplätze. Für Stubentiger ist das Spiel von außerordentlicher Bedeutung. Da eine Wohnungskatze ihren Jagdtrieb nicht ausreichend befriedigen kann, braucht sie Spiel und Spaß mit ihrem Dosi zum Stressabbau. Täglich sollten 30 Minuten Spielzeit mit der Katze eingeplant werden. Dadurch werden Spannungen beim Tier abgebaut. Spielen verstärkt die soziale Bindung zum geliebten Menschen und fördert die Gesundheit.


Medikamentöse Psychotherapie

Zur Stressminderung und -vermeidung bei Katzen gibt es verschiedene medikamentöse Ansätze. Eine Umgebungsbehandlung mit Feliway® (Spray mit künstlichen Pheromonen) kann ebenso helfen wie spezielle Medikamente. Bei unserem hyperaktiven Birmakastraten Kito habe ich gute Erfolge mit homöopathischen Mitteln erzielen können.

 

Bezugsquelle für schöne Katzentrinkbrunnen

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Weblinks

Anatomie der Harnwege bei Katze & Kater

FLUTD (Feline lower urinary tract disease)

Harngrieß & Harnstein

 

 

 

© Text: Gisela Teubner
Fotos: FIFe-EC. Toulouse v.d. Saalburg, © Gisela Teubner