Giardien


Giardien sind einzellige Geißeltierchen, die weltweit vorkommen. Insbesondere Katzen, die jünger als ein Jahr sind und Katzen, die in Gruppenhaltung leben, sind gefährdet. Die Form des im Darm lebenden Parasiten wird als Trophozoit bezeichnet. Bei der kontagiösen Form spricht man von Zyste.


Trophozoiten

      Der Trophozoit ist birnenförmig und hat 2 Zellkerne, die unter dem Mikroskop auf
      den Betrachter wie Augen wirken. Die Zellkerne enthalten die Erbinformationen des
      Krankheitserregers. Der Parasit bewegt sich durch Geißeln fort. Auf der Bauchseite
      hat er eine Haftscheibe, mit der er sich an der Dünndarm- und/oder Dickdarm-
      schleimhaut des Wirtstiers fest heftet. Der Trophozoit dringt nicht ins Gewebe ein,
      sondern vermehrt sich millionenfach auf der Darmschleimhaut und kann sie dadurch
      zerstören. Außerhalb des Wirtskörpers stirbt er nach wenigen Minuten ab.


Zysten

      Zur Vermehrung umgeben sich jeweils 2 Trophozoiten mit einer Schutzhülle, teilen
      sich danach in 4 Kerne und werden mit dem Kot ausgeschieden. Durch ihre Hülle
      effektiv geschützt, sind diese Zysten tage- bis wochenlang überlebensfähig. In
      feuchten Böden bleiben sie bis zu 7 Wochen lang infektiös und in kaltem Wasser
      (+ 4° C) bis zu 3 Monaten. Unter optimalen Bedingungen können die Zysten sogar
      noch länger überleben.


Übertragung

Giardien werden auf fäkal-oralem Weg übertragen. Die infektiösen Zysten werden mit dem Kot ausgeschieden und kontaminieren die Umgebung, besonders Futter und Wasser. Das Gefährdungs- potenzial ist sehr hoch. Ein infiziertes Tier kann ca. 100.000 bis 1 Mio. Zysten pro Gramm Kot ausscheiden. Bereits 10 aufgenommene Zysten reichen für eine Ansteckung aus. Eine weitere Infektionsquelle sind Fliegen, die Giardienzysten auf das Futter schleppen. Die sich aus den Zysten entwickelnden Trophozoiten leben hauptsächlich im Dünndarm der Katze, sind jedoch gelegentlich auch im Dickdarm zu finden.


Symptome

Die meisten infizierten Katzen zeigen kaum Symptome, obwohl sie monatelang Zysten ausscheiden können. Die Krankheitsanzeichen sind minimal und können auf Durchfall an einem einzigen Tag begrenzt sein. Bei Katzen mit guter Immunabwehr wird eine Infektion nach wenigen Wochen spontan eliminiert. Das liegt an den im Körper selbst produzierten oder mit der Muttermilch aufgenommenen IgA-Antikörpern. Sie schützen den Darm, indem sie die Fähigkeit der Trophozoiten, sich an die Darmschleimhaut zu heften, blockieren. IgA-Antikörper wirken wie ein Zellgift auf die Trophozoiten.

Dieser Schutzmechanismus wirkt nicht immer. Kitten und Jungkatzen sind von Giardien meist schwerer betroffen als erwachsene Tiere, weil bei ihnen das Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Junge Kätzchen zeigen schnell Anzeichen wie Austrocknung, Teilnahmslosigkeit und Appetitmangel. Bei Kitten hat eine akute Giardiasis oft erhebliche Wachstumsverzögerungen in der Absetzphase (dem Zeitpunkt der Umstellung von Milch auf feste Nahrung) zur Folge. Auch erwachsene oder ältere Katzen mit schweren Grunderkrankungen sind häufig nicht in der Lage, die Infektion aus eigener Kraft zu bekämpfen. Chronische Infektionen findet man oft in Verbindung mit einer Hypogammaglobulinämie (Gammaglobulinmangel im Blut - feststellbar durch Serumelektrophorese).

Falsche Ernährung der Katzen, wie z.B. zu viel kohlenhydratreiches Futter (dazu gehören viele Trockenfuttersorten) mit Veränderungen der Darmflora begünstigen die Krankheit, die sich hauptsächlich in akutem oder chronischem Durchfall zeigt, der wechselweise dünnflüssig, breiig und manchmal auch blutgefleckt sein kann. Bei schweren Infektionen beobachtet man als Hauptsymptom starke Durchfälle mit Schleimbeimengungen. Erbrechen und Fieber können weitere Krankheitsanzeichen sein.


Diagnose

Giardien sind durch eine übliche Kotuntersuchung nicht nachweisbar. Der Parasit (Trophozoit oder Zyste) kann in frischen Kotabstrichen oder durch mehrfache, spezielle Kotuntersuchungen im Flotationsverfahren mit Zinksulfat nachgewiesen werden. Einige Labors bieten inzwischen auch sehr zuverlässige Giardien-Antigentests an. Die Alternative zum Floationsverfahren ist ein Giardien- schnelltest. Doch auch bei negativem Schnelltest-Ergebnis kann ein Giardienbefall nicht ausgeschlossen werden, denn nicht mit jedem Kotabsatz werden Trophozoiten und Zysten ausgeschieden. Deshalb muss ein negativer Schnelltest nach einer Woche wiederholt werden. Dazu werden die gesammelten Kotproben von 3 aufeinander folgenden Tagen benötigt.

Lange Zeit galten Giardien als direkt infektiös. Man war der Ansicht, dass sie nicht erst außerhalb des Körpers ausreifen müssten um ansteckend zu sein. Doch neuere Studien legen den Schluss nahe, dass eine Ausreifung von 7 Tagen außerhalb des Wirtskörpers nötig ist, damit die Zyste infektiös wird.


Behandlung

Für die Behandlung kann der Wirkstoff Metronidazol (Clont) eingesetzt werden. Albendazol oder Fenbendazol sind ebenfalls geeignet. Weil Katzen auf Metronidazol häufig mit starkem Speichelfluss reagieren, wählen viele Tierärzte grundsätzlich Fenbendazol (Panacur). Die Behandlung mit Panacur dauert meist 5 Tage und muss konsequent nach Anweisung des Tierarztes durchgeführt werden. Katzen, die bereits Anzeichen von Austrocknung zeigen, wird zusätzlich Glukose und Ringerlactat verabreicht. Seit geraumer Zeit gibt es auch den Wirkstoff Carnidazol (Spatrix). Allerdings sollte man bedenken, dass Spatrix zur Giardienbekämpfung bei Tauben entwickelt wurde.

Schwierig ist die Behandlung von trächtigen Katzen. Einige Tierärzte raten hier grundsätzlich von der Therapie mit Metronidazol und Albendazol ab. Andere sind der Ansicht, das Metronidazol erst ab dem 21. Tag und Fenbendazol nicht vor dem 42. Tag der Trächtigkeit verabreicht werden solle. Nitrofurantoin könne trächtigen Katzen sogar nur in den ersten 2 ½ Wochen gegeben werden. Eine Falschbehandlung birgt die Gefahr von missgebildeten Kitten.

In einigen Ländern (z.B. in den USA und in Deutschland) ist für Katzen ein Impfstoff gegen Giardien verfügbar. Dieser Impfstoff soll die Ausscheidung von infektiösen Zysten begrenzen.

Während und auch geraume Zeit nach der medikamentösen Behandlung sollte ein vom Tierarzt empfohlenes, leicht verdauliches Diätfutter angeboten werden. Von Trockenfutter ist abzuraten, weil es für den angegriffenen Darm zu unbekömmlich ist. Außerdem muss zur Trockenfütterung ausreichend Wasser bereit gestellt werden, das wiederum eine erneute Infektionsquelle darstellt.

Ist die Therapie abgeschlossen, erholen sich die pelzigen Patienten rasch. Doch häufig ist durch Infektion und Medikamente die Darmflora nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen. Während und nach der Behandlung kann man (in Absprache mit dem Tierarzt) durch spezielle Präparate den Neuaufbau einer gesunden Darmflora unterstützen. Joghurt ist ebenfalls gut geeignet, die Darmflora wieder ins Lot zu bringen. Wenn die Katze ihn mag, kann man ihr täglich einen Esslöffel Naturjoghurt füttern.

In Katzenzuchten und Haushalten mit mehreren Tieren müssen alle, egal ob erkrankt oder nicht, mitbehandelt werden. Nur so kann man die Infektion bekämpfen und eine weitere Ausbreitung verhindern. Das gilt nicht nur für Katzen sondern z.B. auch für Hunde. Zur Behandlung von Hunden hat sich die kombinierte Behandlung mit Febantel / Pyrantel / Praziquantel an 2 aufeinander folgenden Tagen bewährt.


Hygienemaßnahmen

Eine medikamentöse Behandlung allein reicht leider nicht aus, um Giardien wirkungsvoll zu bekämpfen. Die Neuansteckung geschieht über Trinkwasser, Kot und Schmierinfektionen. Es sind umfassende Hygienemaßnahmen zu ergreifen. Die Katzentoilette sollte täglich heiß ausgeschrubbt, desinfiziert und anschließend mit frischer Streu gefüllt werden. Decken, auf denen die Katzen gelegen haben, sollten täglich ausgetauscht und – wenn möglich - im Kochwaschgang der Waschmaschine gereinigt werden. Zum Trinken sollte man nur abgekochtes Wasser oder stilles Mineralwasser im Napf anbieten. Die Verwendung von Katzentrinkbrunnen ist tabu! Futter- und Wassernäpfe müssen täglich gründlich gesäubert werden. Schlafen die Katzen im Bett, ist außerdem ein täglicher Bettwäschewechsel empfehlenswert.

Eine Umgebungsbehandlung mit dem Heißdampfstrahler ist ebenfalls sehr hilfreich. Giardienzysten werden ab einer Temperatur von + 70° C effektiv abgetötet. Handelsübliche Desinfektionsmittel sind bei der Bekämpfung von Giardien wirkungslos. Zur Desinfektion haben sich quartäres Ammonium und Disifin bewährt.

Einige Züchter setzen zur Vernichtung von Giardien, anderen krankheitserregenden Mikroorganismen und Schimmelpilzen mit großem Erfolg spezielle Ozongeneratoren ein. Wichtig! Da Ozon zwar hoch- wirksam aber nicht gerade gesundheitsfördernd ist, sollten Sie sich vor einem Einsatz dieser Geräte gründlich informieren und unbedingt die Herstellerempfehlungen befolgen.


Nicht nur für Katzen gefährlich

Giardien kommen rund um den Erdball bei einer Vielzahl von Säugetieren, Amphibien, Reptilien und Vögeln vor. Es gibt insgesamt 41 verschiedene Giardienstämme. Einer der am weitesten verbreiteten Erreger ist Giardia intestinalis, auch Giardia lamblia oder Giardia duodenalis genannt. Dieser Erreger befällt Vögel und Säugetiere. Reptilien werden von Giardia agilis geplagt. Nagetiere und Vögel leiden unter Giardia muris.

Giardien gehören zu den Zoonoseerregern. Sie können vom Tier auf den Menschen und vom Menschen auf das Tier übertragen werden. Viele Menschen und Tiere sind mit Giardien infiziert, ohne sich krank zu fühlen. Sie scheiden aber trotzdem Zysten aus. Andere befallene Individuen leiden an Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall.

Bei der Trinkwasseraufbereitung stellen Giardien ebenfalls ein Problem dar. Weder durch den Zusatz von Chlor noch durch die Bestrahlung mit ultraviolettem Licht lassen sich die Zysten zuverlässig abtöten. Zur Trinkwasseraufbereitung verwendetes Oberflächenwasser wird ultrafiltriert, um die Erreger abzufiltern.


Weblinks

Giardien

Giardien bei Katzen

Giardienbefall bei Hund & Katze

Hygienemaßnahmen bei Giardienbefall

 

 

 

© Text: Gisela Teubner
© Fotos: carebott