Notfallsymptome


Es gibt Krankheitssymptome, die ein sofortiges medizinisches Eingreifen erfordern. Doch oft geht es dem Tier ausgerechnet dann schlecht, wenn der Tierarzt gerade keine Sprechstunde hat: etwa mitten in der Nacht oder am Wochenende. Wo erhält man als besorgter Katzenfreund jetzt schnell die so dringend benötigte medizinische Hilfe für sein Tier? Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Viele Tierärzte sind für ihre Patienten per Notfallhandy rund um die Uhr erreichbar. Einige Notfälle erfordern allerdings eine spezielle medizinische Ausstattung, die nicht jede Praxis besitzt. Deshalb sollten Sie schon im Vorfeld abgeklären, für welche Notfälle der Tierarzt ausgerüstet ist. Im Zweifelsfall sollten Sie eine gute Tierklinik aufsuchen, die rund um die Uhr erreichbar ist, dort sind auch nachts und an den Wochenenden mindestens ein Arzt und medizinisches Fachpersonal vor Ort. Außerdem verfügen die meisten Tierkliniken über umfangreiche, diagnostische Geräte. Allerdings ist auch im Notfall eine telefonische Anmeldung wichtig, damit der Tierarzt ohne Zeitverzug Vorbereitungen treffen kann.

In einigen Städten gibt es Tierrettungsdienste, die ins Haus kommen und dort Erste Hilfe leisten. Falls erforderlich, bringt der Tierrettungsdienst den kleinen Patienten auch zum Tierarzt oder in die Tierklinik. Vor allem in Großstädten haben sich mittlerweile auch einige Taxiunternehmen auf den Transport von Tieren spezialisiert. Oft sind sie rund um die Uhr erreichbar und kennen meist auch einen diensthabenden Tierarzt oder eine Tierklinik in der Nähe.


Atemnot

Kann die Katze nach einem Ausflug ins Freie plötzlich nur noch schwer röchelnd einatmen, sind daran häufig stumpfe Verletzungen der Atemwege durch einen Autounfall oder einen Sturz aus großer Höhe schuld. Auch beim Gefecht mit Artgenossen oder Hunden können Kehlkopf und Luftröhre durch Bisse schwer verletzt werden. Husten und Probleme beim Ausatmen entstehen oft durch allergisches Asthma, weil sich durch die überschießende Immunreaktion die Atemwege verengen.


Futterverweigerung

Verweigert die Katze hartnäckig die Nahrungsaufnahme, sind häufig Schmerzen (besonders im Maul- und Rachenbereich) die Ursache. Verletzungen der Zunge durch Splitter oder Raufereien, akute Zahnprobleme, Zahnfleischentzündungen, sowie einige Infektionskrankheiten rufen häufig schwere Entzündungen hervor. Aber auch bei Magen-Darm-Problemen, sowie Erkrankungen von Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse vergeht dem Tier der Appetit. Katzen sind sensibel. Ein Umzug, ein neuer Mitbewohner oder andere gravierende Veränderungen im gewohnten Lebensrhythmus können einer Katze seelisch so zusetzen, dass sie nicht fressen will. Viele sind außerdem in Sachen Futter eigenwillig und hungern lieber, als unliebsames Futter anzurühren. Aus welchem Grund auch immer die Katze fastet: nimmt sie 24 Stunden keine Nahrung zu sich, muss ein Tierarzt aufgesucht werden! Es besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen Leberverfettung. Die Erkrankung tritt bei Katzen auf, die plötzlich nicht mehr fressen. Der Körper mobilisiert daraufhin Fettreserven, um sich mit der nötigen Energie zu versorgen. Die Leber wird dadurch überfordert und es droht akutes Leberversagen!


Blutiger Urin

Der häufigste Grund für blutigen Urin ist eine akute Blasenentzündung, verursacht durch Harngrieß und Harnsteine, die mit ihrer rauen Oberfläche die Blasenschleimhaut reizen. Die Erkrankung kann bei Katzen jeden Alters auftreten. Kater sind davon häufiger betroffen als Katzen. Das erkrankte Tier hat ständig Harndrang, kann aber immer nur tröpfchenweise Urin absetzen. Oft jammert es beim Wasserlassen und krümmt vor Schmerzen den Rücken. Auch Infektionen mit verschiedenen Keimen können die Ursache für eine schmerzhafte Blaseninfektion sein. Vor allem bei weiblichen Tieren kommt es  häufig vor, dass Bakterien, Viren oder Pilze über die Harnröhre in die Blase aufsteigen, sich dort vermehren und Entzündungen auslösen. Wird die Erkrankung zu spät erkannt, können die Nieren in Mitleidenschaft gezogen und dauerhaft geschädigt werden. Ältere und chronisch kranke Tiere mit geschwächtem Immunsystem leiden ebenfalls häufig an Blasenentzündungen, weil der Körper die Krankheitserreger nicht mehr ausreichend bekämpfen kann.


Durchfall

Durchfall ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Nicht immer muss sofort ein Tierarzt konsultiert werden, da leichter Durchfall häufig vorkommt und meist spätestens nach 2 – 3 Tagen von selbst wieder abklingt. Hält der Durchfall länger an oder ist sehr heftig, besteht die Gefahr der Austrocknung, weil die Katze viel Flüssigkeit verliert. Dann muss unbedingt der Tierarzt hinzugezogen werden. Blut im Kot ist immer ein Alarmzeichen. Die Ursachen hierfür müssen so schnell wie möglich abgeklärt werden. Oft stecken massive Magen-Darm-Entzündungen dahinter, verursacht durch Viren, Bakterien oder Parasiten. Freigänger infizieren sich häufig mit Giardien. Die winzigen Parasiten setzen sich im Darm fest und zerstören die Darmschleimhaut, so dass es vor allem bei jungen Katzen zu schweren blutigen Durchfällen kommt. Auch eine Reihe von Vergiftungen lösen Durchfall aus. Meistens zeigen Katzen dann noch weitere Symptome, wie Erbrechen oder Benommenheit.


Lähmungserscheinungen

Nach Autounfällen kommt es bei Katzen häufig zu Verletzungen der Nerven im Bereich der Achselhöhle, die dazu führen, dass das Vorderbein der betroffenen Seite leblos herab hängt. Herzkranke Katzen haben ein erhöhtes Risiko, ein Blutgerinnsel zu entwickeln, das die Hauptschlagader verstopft. Diese Aortenthrombose tritt ganz plötzlich auf, ist sehr schmerzhaft und äußerst sich in einer Lähmung beider Hinterbeine.


Richtig handeln im Notfall

Legen Sie sich die Rufnummern von Tierarzt, Tierklinik und Rettungsdienst griffbereit zurecht oder speichern Sie diese in Telefon oder Handy ab. So sind die Telefonnummern im Notfall schnell parat. Ist der Ernstfall eingetreten, sollten Sie versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Nur dann treffen Sie schnell die richtigen Entscheidungen. Ihr Tier hat vermutlich Schmerzen und ist verängstigt. Deshalb sollten sie es behutsam berühren und ruhig ansprechen, denn es kann Sie durch unkontrollierte Bewegungen oder panisches Kratzen und Beißen verletzen. Einige Tierärzte und Tierkliniken bieten auch Erste-Hilfe-Kurse an, in denen Sie erfahren, wie Sie im Notfall richtig und besonnen handeln.


Quellennachweis

Zeitschrift „Ein Herz für Tiere“, Ausgabe 6 / Juni 2013

 

 

 

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