Rabies - Tollwut


Tollwut (lat. Rabies, altgriech. Lyssa, im englischsprachigen Raum auch unter „rage“ bekannt), ist eine tödlich verlaufende Virusinfektion, die durch das zur Familie der Rhabdoviren gehörende Lyssavirus ausgelöst wird. Die Ansteckung erfolgt durch Bisse eines tollwütigen Tieres oder über kleine Hautabschürfungen und Kratzwunden. Infizierter Speichel dringt in die Wunde ein. Das so übertragene Lyssavirus befällt zentrales Nervensystem (ZNS) und Gehirn und verursacht die für Tollwut typischen Symptome. Tollwut ist keine spezifische Katzenkrankheit. Fast alle Säugetiere sind gefährdet, jedoch nicht alle in gleichem Maße. Katzen gelten im Vergleich zu Hunden als hochempfänglich. Hauptüberträger der Tollwut sind


in Westeuropa: Rotfüchse und Dachse

in Osteuropa: Rotfüchse und Marderhunde

in Asien: Füchse und Wölfe

in Afrika: Schakale und Schleichkatzen

in Nordamerika: Füchse, Stinktiere und Waschbären


In Mittel- und Südamerika ist die hauptsächlich durch Vampirfledermäuse übertragene Fledermaustollwut von großer Bedeutung. Bislang wurden in Europa nur Einzelfälle bei Fledermäusen nachgewiesen, doch steigt auch hier die Gefahr der Übertragung durch Fledermäuse. Vögel sind nur selten Tollwutüberträger, weil ihre hohe Körpertemperatur von 40° C dem Virus keine optimalen Bedingungen zur Vermehrung bietet.


Die Infektionskette

Tollwut gehört zu den Zoonosen, den Krankheiten, die vom Tier auf Menschen sowie vom Menschen auf das Tier übertragen werden können. In Deutschland gelten als Tollwut-Hauptüberträger Rotfüchse, die ihre Artgenossen, andere Wildtiere, Haustiere und Menschen anstecken können. Infizierte Haustiere sind eine besonders gefährliche Ansteckungsquelle für Menschen.

Lotte

„Kuckuck… hier bin ich!“


Inkubationszeit & Symptome

Die Inkubationszeit, der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit, liegt zwischen wenigen Tagen bis hin zu mehreren Monaten. Je weiter die infizierte Wunde vom Gehirn des Tieres entfernt liegt und je geringer die Menge der übertragenen Tollwutviren ist, umso länger kann die Inkubationszeit sein. Bei Katzen treten die ersten Symptome ca. 14 - 30 Tage nach der Ansteckung auf. Die Krankheit selbst beginnt oft mit dramatischen Wesensveränderungen, dauert zwischen einem Tag bis zu einer Woche und endet tödlich. Wesentliche Merkmale der Tollwut sind:


Verhaltensstörungen, klägliches Miauen

Unruhezustände, hohe Erregbarkeit

unnatürliche Scheu oder Schreckhaftigkeit
     oder unnatürliche Zutraulichkeit (besonders bei Wildtieren)

schmerzhafte Schluckbeschwerden, Würgereiz,
     starker Speichelfluss (Schaum)

Krämpfe, Lähmungserscheinungen


Die Frühsymptome beginnen schleichend und unauffällig. Es treten erste Verhaltensveränderungen auf. Wer seine Katze kennt, wird diese Veränderungen schnell bemerken, da das Tier sich meist genau gegenteilig benimmt wie gewohnt. Eine scheue Katze wird ungewöhnlich anhänglich, eine anhängliche Katze scheu. Einige Tiere entwickeln auch eine unnatürliche Wasserscheu (Hydrophobie). Sie leiden brennenden Durst und trinken nicht, weil sie durch die Erkrankung panische Angst vor Wasser haben.

Es folgt das Erregungsstadium. Jetzt besteht die Gefahr von Angriffen selbst auf sonst vertraute Personen mit Beiss- und Kratzwut. Manchmal fehlt der Angriffstrieb und es kommt zur „stillen Wut“, bei der sich das erkrankte Tier still und zurückgezogen verhält. Häufiger jedoch zeigt sich die „rasende Wut“, ein Zustand hoher Erregbarkeit, der viele andere Symptome überlagert.

Im letzten Stadium, dem Lähmungsstadium, tritt unter zunehmender körperlicher Lähmung nach wenigen Tagen der Tod ein.

Oft sind die Krankheitserscheinungen unspezifisch und verwirrend. Endgültige Gewissheit ergibt erst die Obduktion des Tieres. Tollwut ist auch für den Menschen lebensbedrohlich und gehört zu den anzeigepflichtigen Seuchen. Bei einer nicht geimpften und infizierten Katze darf gemäß Tollwutverordnung keine Schutzbehandlung (Notimpfung) durchgeführt werden. Das Tier wird getötet. Alle Verdachtsfälle und infizierten Tiere müssen unverzüglich dem Tierarzt, dem Veterinäramt oder dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Nur wenn Sie eindeutig nachweisen können, dass Ihre Katze über eine gültige Schutzimpfung verfügt, besteht keine Tötungspflicht. Doch kann das Tier unter Quarantäne gestellt werden, bis der Tollwutverdacht zweifelsfrei ausgeräumt ist.


Schutz durch Impfung

Durch eine vorbeugende Schutzimpfung kann die Infektionskette wirkungsvoll unterbrochen werden. Die Tollwutschutzimpfung für Ihre Katze schützt indirekt auch Sie! Deshalb sollten Sie nach der Grund- immunisierung Ihrer Katze regelmäßig Wiederholungsimpfungen zur Auffrischung durchführen lassen. Sprechen Sie die Impfintervalle mit Ihrem Tierarzt ab. Denn die können, abhängig von Impfstoff, unterschiedlich lang sein. In jedem Falle gegen Tollwut geimpft werden sollten bzw. müssen:


Katzen, die Freigang haben

Stubentiger, die Kontakt zu Freigängern haben

Zucht- und Ausstellungskatzen

Katzen, die sich zeitweilig in Außengehegen aufhalten


Ein gültiger Tollwut-Impfschutz liegt dann vor, wenn das Tier zum Zeitpunkt der Grundimmunisierung mindestens 3 Monate alt war und seit der Grundimmunisierung ein Zeitraum von 21 Tage verstrichen ist. Die Gültigkeitsdauer des Impfschutzes richtet sich nach der jeweiligen Zulassung des Impfstoffherstellers. Ist sie länger als ein Jahr, muss das im Impfpass durch den impfenden Tierarzt vermerkt werden.

Auch Menschen können vorbeugend gegen Tollwut geimpft werden. Verfügen Sie selbst nicht über eine gültige Tollwutimpfung oder ist unklar, ob der Tollwutschutz bei Ihnen noch ausreicht, kann im Falle des Ansteckungs- oder Infektionsverdachts auch eine Schutzbehandlung (Notimpfung) vorgenommen werden. In jedem Fall sollten Sie nach dem Kontakt mit seuchenverdächtigen oder an Tollwut erkrankten Tieren sowie bei Verletzungen, die durch Tiere verursacht wurden (Biss- und Kratzwunden) sofort Ihren Hausarzt oder das Gesundheitsamt aufsuchen und den Vorfall dem nächstgelegenen Veterinäramt anzeigen, damit Ihnen schnell Rat und Hilfe zuteil werden kann.


Wichtig bei Auslandsreisen

Verreisen Sie mit Ihrer Katze ins Ausland, ist eine gültige Tollwutimpfung zwingend erforderlich. Für die einzelnen Länder gelten Einreisebestimmungen, die in der EU weitgehend einheitlich sind. Vor einer geplanten Auslandsreise mit Ihrer Katze sollten Sie sich rechtzeitig und gründlich informieren, denn einige Länder fordern den Nachweis des Tollwutimpfschutzes anhand einer Blutprobe mit mehrmonatigen Vorlaufzeiten.

  Pseudorabies - Pseudowut

 

Bei dem als Pseudowut, Pseudorabies, Juckseuche oder Morbus Aujeszky bezeichneten Leiden handelt es sich um eine Virusinfektion, die durch das Suine Herpesvirus 1 und das Pseudorabies-Virus (PrV) verursacht wird. Pseudowut gehört, ebenso wie Tollwut, zu den anzeigepflichtigen Erkrankungen. Schweine sind ein natürliches Reservoir für die Erreger der Pseudowut. Insbesondere Katzen, die in landwirtschaftlichen Betrieben leben, sind gefährdet. Die Infektion führt zur Entzündung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) mit zentralnervösen Erscheinungen. Pseudowut kann auch bei Hunden und Rindern auftreten. Alle diese sogenannten „Endwirte“ scheiden zu keinem Zeitpunkt das Virus aus. Damit kann auch eine Übertragung der Pseudowut von Katze zu Katze ausgeschlossen werden. Doch erkrankte Tiere haben sich entweder direkt bei Schweinen infiziert, durch verseuchte landwirtschaftliche Geräte oder kontaminiertes Schuhwerk. Das Verfüttern von rohem Schweinefleisch birgt ebenfalls ein sehr hohes Ansteckungsrisiko.


Inkubationszeit & Symptome

Die Infektion schreitet rasend schnell voran. Die Spanne der Inkubationszeit liegt zwischen wenigen Tagen bis etwas über eine Woche. Pseudowut ist nicht behandelbar, lässt sich am lebenden Tier nicht zweifelsfrei diagnostizieren und verläuft fast immer tödlich. Die Symptome ähneln stark denen der Tollwut:


Nervosität, Zuckungen

schnelle, unruhige Atmung

starker Speichelfluss (Schaum), Erbrechen

schmerzhafte Schluckbeschwerden, Lähmung der Kaumuskulatur


Besonders auffällig bei Pseudowut ist ein schier unstillbarer Juckreiz. Die erkrankte Katze leckt, kratzt und benagt unaufhörlich die juckenden Körperstellen. Der Juckreiz ist so unerträglich für das Tier, dass er zur Selbstverstümmlung führen kann.


Vorbeugende Maßnahmen

Zur Vermeidung einer Pseudowutinfektion sollten Katzen keinen direkten Kontakt zu Schweinen haben und kein rohes Schweinefleisch fressen. Gekocht oder gebraten ist Schweinefleisch unbedenklich, weil eventuell vorhandene Erreger dadurch abgetötet werden. Doch denken Sie immer daran: Das Verfüttern von rohem Schweinefleisch ist tabu!

Lotte
Britisch Kurzhaar, silver-tabby

„Nanu… noch 'ne Katze?!“


Weblinks

Tollwut bei Katzen

Pseudowut bei Katzen

Tollwut beim Menschen

Tollwutimpfung beim Menschen

 

 

© Text: Gisela Teubner
© Fotos: Undine Barckhausen