Mastitis - Milchdrüsenentzündung


Von einer Milchdrüsenentzündung sind meistens Mutterkatzen betroffen. Weil die Infektion beim Säugen auch auf die Kitten übertragen werden kann, müssen in einigen Fällen Mutter und Nachwuchs voneinander getrennt werden. Diese Entscheidung sollte man nicht auf eigene Faust treffen, sondern mit dem behandelnden Tierarzt absprechen! Die Mastitis kann auch bei Scheinträchtigkeit auftreten.

Ursachen

Die Milchdrüsen- oder Gesäuge-Entzündung tritt bei der Mutterkatze am häufigsten in den ersten beiden Wochen nach der Geburt der Kitten auf. Die Gründe sind vielfältig. Durch kleine Verletzungen am Gesäuge können Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken oder Escherichia coli, auch E. Coli genannt) in die Milchdrüsen eindringen. Eine Mastitis kann auch auftreten, wenn mehrere Kätzchen des Wurfes verstorben sind und die verbliebenen Kitten nicht die ganze Menge der bereitstehenden Muttermilch abtrinken können. Die überschüssige Muttermilch staut sich in den Milchgängen des Milchdrüsengewebes und bildet den idealen Nährboden für eine rasante Vermehrung der Krankheitserreger. Die Folge ist eine Mastitis. Im Normalfall ist nur eine Zitze der Katze betroffen, in schweren Fällen ist die komplette Milchleiste infiziert. Eine weitere Ursache ist die Nutzung nur einer Milchleiste. Es werden nur die Zitzen der einen Seite zur Nahrungsaufnahme in Anspruch genommen. In seltenen Fällen wird die Mastitis auch durch eine Prellung des Gesäuges ausgelöst.

Symptome

Deutliche Anzeichen der Gesäuge-Entzündung sind: Reizbarkeit, Apathie, Fieber, mangelnder Appetit, starker Durst, heiße, geschwollene und gerötete Zitzen, wässriger, blutiger bis eitriger Milchfluss. Die Zitzen können verhärtet sein oder sich teigartig und ungewöhnlich prall anfühlen. Die Entzündung ist oft extrem schmerzhaft für die Katze; sie wehrt sich mit aller Macht gegen Berührungen am Bauch. Wegen der Schmerzen hindert die Mutter ihre Nachkommen am Säugen und stößt sie von sich. Das schützt die Kitten vor dem Genuss der keimbelasteten Muttermilch, die ungenießbar und lebensbedrohlich geworden ist. Die hungrigen Kitten miauen lautstark.


Homöopathische Behandlungsmöglichkeiten

Die ersten Phasen der Mastitis können homöopathisch behandelt werden, doch sollte immer auch eine antibiotische Therapie durch den Tierarzt in Erwägung gezogen werden. In diesem Fall ist ein begleitender Einsatz geeigneter Homöopathika möglich.

Behandlung mit Belladonna (Tollkirsche)
     Unmittelbar nach der Geburt setzen bei der Mutterkatze ein plötzlicher Milchstau
     oder ein Milchrückgang ein, oft verbunden mit wässrigem bis flockigem Ausfluss. Die
     Zitze ist dunkelrot, geschwollen und vergrößert. Die Katze reagiert empfindlich auf
     Berührungen und leidet unter schmerzhaften Spannungszuständen im Gesäuge. Die
     Anzeichen zeigen sich plötzlich und mit großer Heftigkeit.

     Belladonna sorgt für schnelle Besserung. Aber das Zeitfenster für eine erfolgreiche
     Behandlung ist sehr klein. Bereits bei den ersten Anzeichen müssen Sie handeln, um
     Schlimmeres zu verhindern. Zusätzlich können Sie die geschwollenen Milchdrüsen mit
     Quarkumschlägen kühlen.

     Dosierung: 3 x täglich eine Gabe in der Potenz D4, aufgelöst in etwas Wasser mit
     einer Einwegspritze oral verabreichen.

Behandlung mit Apis mellifica (Honigbiene)
     Die Zitzen sind stark angeschwollen. Die Haut zeigt sich rosarot und wachsartig
     transparent (glasig). Das infizierte Areal ist extrem berührungsempfindlich. Es kommt
     zu einer wässrigen Absonderung. Die Katze ist apathisch (teilnahmslos und müde).

     Dosierung: 3 x täglich eine Gabe in der Potenz D6, aufgelöst in etwas Wasser mit
     einer Einwegspritze oral verabreichen.

Behandlung mit Phytolacca (Kermesbeere)
     Es liegt ein Michstau vor. Die Milchdrüsen sind verhärtet, manchmal mit Knotenbildung
     im Drüsengewebe. Die Katze reagiert berührungsempfindlich, wirkt teilnahmslos und
     hat heftige Schmerzen, die den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen. Bei der Be-
     handlung mit Phytolacca kann Kälte, ganz besonders feuchte Kälte (wie z.B. kühlende
     Quarkumschläge) die Schmerzzustände verschlimmern. Die Symptome bessern sich
     durch Bauchlage und Wärmezufuhr.

     Dosierung: 3 x täglich eine Gabe in der Potenz D3, aufgelöst in etwas Wasser mit
     einer Einwegspritze oral verabreichen.

Behandlung mit Hepar sulfuris (Kalkschwefelleber)
     Hat sich die Katze während oder kurz nach dem Geburtsgeschehen leichte Ver-
     letzungen am Gesäuge zugezogen, besteht die Gefahr einer Vereiterung. Die Haut
     ist schmerzempfindlich bei Berührung. Durch kühlende Anwendungen, Druck und
     kalte Zugluft verschlimmern sich die Symptome. Die Eitererreger vermehren sich
     besonders rasant bei feuchtwarmer Witterung.

     Dosierung: 3 x täglich eine Gabe in der Potenz D6, aufgelöst in etwas Wasser mit
     einer Einwegspritze oral verabreichen.

Allgemeine Hinweise zur Behandlung mit Homöopathika
     Bei der homöopathischen Behandlung von Katzen besteht eine Gabe bzw. eine Dosis
     aus einer Injektion, einer Tablette, 5 Globuli oder 5 Tropfen. Wenn nicht anders
     empfohlen, sollten Sie bei Kitten die Einzeldosis auf 3 Globuli bzw. 3 Tropfen be-
     schränken.
    
     Wenn sich der Zustand der Katze durch die homöopathische Behandlung nicht bes-
     sert, dann experimentieren Sie bitte nicht herum mit häufigeren Gaben oder höheren
     Potenzen. Konsultieren Sie schnellstens einen Tierarzt! Homöopathie hilft bei vielen
     akuten und chronischen Erkrankungen, sie kann auch schulmedizinische Therapien
     wirkungsvoll unterstützen. Aber sie kann niemals die fachkundige Hilfe eines
     Tierarztes ersetzen.


Tierärztliche Behandlung

Zwar zeigt die Mastitis ganz typische Symptome, dennoch nehmen viele Tierärzte für eine zweifels- freie Diagnose eine Blutuntersuchung vor. Erhöhte Entzündungswerte im Blut (z.B. eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Leukozyten) weisen letzten Endes ganz deutlich auf ein Entzündungsgeschehen hin.

Eine hässliche Komplikation der Mastitis ist die Bildung eines Abszesses, einer Eiteransammlung in der Milchdrüse. Bei der eitrigen Gesäuge-Entzündung sieht die Milch oft dickflüssig, gelblich oder blutig aus. Reißt der Abszess auf, fließt der Eiter nach außen ab und es entsteht eine offene Wunde am Gesäuge. Diese Abszesshöhle muss regelmäßig mit desinfizierenden Lösungen gespült und darf nicht zugenäht werden. Die Wunde muss von innen heraus zuheilen, andernfalls drohen weitere schlimme Infekte. In besonders schweren Einzelfällen ist eine Operation erforderlich.
 
Eine weitere mögliche Komplikation ist die Blutvergiftung (Sepsis). Dabei gelangen die Bakterien vom Entzündungsherd ins Blut. Es besteht Lebensgefahr!

Zur Behandlung eignen sich Antibiotika wie z.B. Amoxicillin, Erythromycin oder Cephalosporin. Es ist unvermeidlich, dass die Antibiotika auch in die Muttermilch gelangen. Aber ist die Mastitis bereits so weit fortgeschritten, gibt es keine Alternativen, denn es besteht die Gefahr, dass die Krankheits- erreger von der Mutter auf den Nachwuchs übertragen werden, manchmal mit verheerenden Folgen für die ganze Katzenfamilie. Antibiotika in der Muttermilch sind für den Nachwuchs meist unproblematisch und die Katze kann ihn weiterhin säugen.

Ob und wann es notwendig ist, der Mutter einen Body anzulegen, damit das Gesäuge für den Nach- wuchs unerreichbar bleibt, ob die Kitten mit der Flasche gefüttert oder sogar vollständig von der Mutter separiert werden müssen, sollten Sie nicht selbst entscheiden! Das ist Sache des Tierarztes. Manchmal gibt es eine Ammenkatze, der man die Kleinen unterschieben kann. Damit die Amme die Kätzchen akzeptiert, müssen diese vorher gründlich gesäubert werden, um keinen fremden „Nestgeruch“ mitzubringen. Alle notwendigen Informationen, wie im Falle einer Trennung von Mutterkatze und Nachwuchs am sinnvollsten zu verfahren ist, erhalten Sie in der Tierarztpraxis.

Vorbeugung nicht möglich

Sie können der Mastitis leider nicht vorbeugen. Der Ausbruch einer Milchdrüsenentzündung ist einfach Pech. Aber grundsätzlich ist es empfehlenswert, bei Katzenmüttern und ihren Kitten ganz besonders auf Hygiene (regelmäßige Reinigung der Katzentoilette, der Futter- und Wassernäpfe usw.) zu achten, um ganz allgemein das Infektionsrisiko zu minimieren.


Quellennachweise

Rudolf Deisner     
     „Naturheilpraxis Katzen“
     Gräfe und Unzer, München, 2010

Debra M. Eldredge, Delbert G. Carlson & Liisa D. Carlson    
     Cat Owner's Home Veterinary Handbook
     John Wiley & Sons Ltd; 2007

Mastitis bei Hund & Katze

 

 

 

© Text: Gisela Teubner
© Fotos: topphotoengineer