Wenn Katzen alt werden


Die Lebenserwartung von Katzen ist grundsätzlich höher als die von Hunden. Bei guter Pflege, unterstützt durch entsprechende medizinische Versorgung, sowie guten Genen und etwas Glück, können Katzen 20 Jahre und älter werden. Selten sieht man einer Katze ihr Alter an. Der Übergang vom mittleren ins hohe Lebensalter verläuft bei ihr schleichend und ist oft nur für den Halter erkennbar. Die Katze verlangsamt einfach ihr Lebenstempo und allein vom Aussehen ist es meist schwer einschätzbar, ob eine Katze 8, 10 oder gar 15 Jahre alt ist.


Katzenalter & Menschenalter - ein Vergleich

Hartnäckig hält sich das Gerücht, ein Katzenlebensjahr entspräche 7 menschlichen Lebensjahren. Doch das ist viel zu hoch gegriffen. In den ersten 18 Lebensmonaten reift eine Katze körperlich rasant. Danach verlangsamt sich der Alterungsprozess und ein Katzenlebensjahr entspricht etwa 4 menschlichen Lebensjahren. Mit 2 Jahren gilt eine Katze biologisch als erwachsen und mit 10 Jahren als alt.

Katzenalter

Menschenalter

0 – 1 Monat

0 – 1 Jahr

2 – 3 Monate

3 – 5 Jahre

4 Monate

7 – 8 Jahre

6 Monate

12 Jahre

12 Monate

15 – 16 Jahre

18 Monate

20 – 21 Jahre

2 Jahre

24 Jahre

3 Jahre

28 Jahre

4 Jahre

32 Jahre

5 Jahre

36 Jahre

6 Jahre

40 Jahre

7 Jahre

44 Jahre

8 Jahre

48 Jahre

9 Jahre

52 Jahre

10 Jahre

56 Jahre

11 Jahre

60 Jahre

12 Jahre

64 Jahre

13 Jahre

68 Jahre

14 Jahre

72 Jahre

15 Jahre

76 Jahre

16 Jahre

80 Jahre

17 Jahre

84 Jahre

18 Jahre

88 Jahre

19 Jahre

92 Jahre

20 Jahre

96 Jahre


Die bis jetzt älteste bekannte Katze der Welt war Creme Puff aus Austin in Texas. Sie wurde geboren am 3. August 1967 und starb am 06. August 2005 im sagenhaften Alter von 38 Jahren und 3 Tagen. Das entspricht einer menschlichen Lebensspanne von 158 Jahren. Eine wahrhaft beeindruckende Leistung, die im Jahr 2007 sogar im Guinness Buch der Rekorde verzeichnet wurde.


Wachsende Sehnsucht nach Nähe & Wärme

Die junge Katze schmust zwar gerne, doch spannender sind für sie Raufspiele mit Artgenossen, das Pirschen auf Spielzeug, Stubenfliegen oder Teppichfusseln, der Blick aus dem Fenster und das Belauern der Vögel im Garten. Die reife Katze sucht zunehmend die menschliche Nähe. Sie genießt ausgiebig Zuwendung und Aufmerksamkeit und schläft gerne in engem Körperkontakt mit ihrem Halter. Das tut sie nicht nur, um ihre Verbundenheit zu zeigen, sondern auch, weil dabei ihr ganzer Körper wohlig erwärmt wird. Ab etwa dem 10. Lebensjahr können Katzen ihre Körpertemperatur nicht mehr so gut regulieren, sie frieren schneller und bevorzugen deshalb ein kuschelig warmes Plätzchen. Das finden sie im Bett, in einer Plüschhöhle nahe der Heizung oder auf der sonnenwarmen Fensterbank. Im Sommer ist auch der sonnenbeschienene Garten ein beliebter Aufenthaltsort für ein ausgiebiges Nickerchen.

Die Streifzüge durchs Revier fallen zunehmend kürzer aus, dafür treten ein höheres Ruhe- und Schlafbedürfnis ein. Der Sprung auf den Kratzbaum oder die Gartenmauer ist nicht mehr so geschmeidig und die alte Katze sucht sich einen neuen Lieblingsplatz, der bequemer zugänglich ist. Im Zweifelsfall sollten Sie dem Tier eine Aufstiegshilfe anbieten, damit es seine bevorzugten Liege- und Aussichtsplätze problemlos erreichen kann. Das gilt auch, wenn die Katzenklappe nur durch einen Sprung erreichbar ist. Ein kleiner Hocker oder eine Rampe sind eine große Hilfe. Denn das Springen wird nicht nur anstrengender, sondern bei verschlissenen Gelenken auch unsicher und schmerzhaft.

Oft ist zu beobachten, dass die reife Katze zunehmend stimmlich kommuniziert und etwas „schwatzhafter“ wird. Einige Oldies entwickeln ein ausgeprägtes Interesse für die Aktivitäten ihres Menschen. Sein Treiben wird genauestens beobachtet und nicht selten „fachgerecht“ kommentiert.


Das Alter fordert seinen Tribut

Geruchs- und Geschmackssinn sowie Seh- und Hörvermögen lassen immer mehr zu wünschen übrig. Gedächtnisverlust, Orientierungsschwierigkeiten, oder wenn sich das Tier außerhalb des Katzenklos erleichtert, sind ebenfalls Altersanzeichen. Außerdem werden ältere Katzen unweigerlich anfälliger für Krankheiten. Häufig treten Nierenerkrankungen auf, die sich durch starken Durst bemerkbar machen. Aber auch Hyperthyroidismus, eine Schilddrüsenüberfunktion, bei der eine Überproduktion des Thyroid-Hormons vorliegt, ist nicht selten.

Mit zunehmendem Alter kann es auch zu Wesensveränderungen kommen. Manche Katzen erschrecken plötzlich heftig und zeigen unbegründete Ängste. Andere springen eher vom Schoß, als dass sie sich streicheln lassen oder streunen ohne erkennbaren Grund laut miauend durch Haus und Garten. Reden Sie in solchen Fällen dem Tier beruhigend zu und zeigen Sie ihm damit, dass alles in bester Ordnung ist. Sollten die Wesensveränderungen Anlass zur Besorgnis geben, wenden Sie sich an Ihren Tierarzt, damit das kleine Sorgenkind entsprechend therapiert werden kann.

Demenzerkrankungen machen leider auch vor alten Katzen nicht halt. Das erkrankte Tier starrt dann oft vor sich hin, findet den Weg zur Katzentoilette nicht mehr von alleine, versäumt die regelmäßige Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Dann müssen Sie die Katze daran erinnern, sie auf die Pipibox und vor den gefüllten Futternapf setzen. Trinkt die demente Katze nicht genügend, können Sie ihr mit einer Einwegspritze portionsweise etwas Wasser einflößen. Achten Sie darauf, dass sich das Tier dabei nicht verschluckt.


Übergewicht, ein Temperamentskiller

Alte Katzen schlafen bis zu 20 Stunden täglich und lassen es auch während ihrer wachen Phasen eher gemächlich angehen. Um zu verhindern, dass die Senioren zu dick werden ist es wichtig, sie zu regelmäßiger Bewegung zu animieren. Übergewicht macht träge und ist ungesund. Das Fett lagert sich nicht nur am Bauch, sondern auch an den inneren Organen an. Herz, Kreislauf und Gelenke werden übermäßig belastet. Das einst so elegante Durchschlüpfen durch kleinste Öffnungen wird nun zur sportlichen Herausforderung. Ein kurzer Spurt führt rasch zu Kurzatmigkeit und Herzrasen. Auch wenn ein kleines Bäuchlein die Schönheit nicht weiter beeinträchtigt, können Sie dem Moppelchen zusätzliche Lebensjahre schenken, indem Sie auf sein Gewicht achten und dafür sorgen, dass es nicht allzu füllig wird.

Doch manchmal sind Katzen in sehr hohem Alter mager. Schultern und Wirbelsäule treten deutlich unter dem Fell hervor. Ziehen Sie einen Tierarzt zu Rate, wenn diese Phänomene Sie zur Sorge veranlassen.


Altersgerechte Ernährung

Im Allgemeinen sind Katzen ab einem Alter von 7 Jahren weniger aktiv und ihr Nährstoffbedarf ändert sich. Der Stoffwechsel wird gedrosselt, der Körper benötigt weniger Fett und Kalorien. Deshalb bietet der Fachhandel spezielle Seniorenkost an, bestehend aus hochwertigem Protein, wenig Fett und leicht verdaulichen Kohlehydraten, die eine schnelle Energiezufuhr gewährleisten sollen, ohne den Verdauungstrakt unnötig zu belasten. Dazu kommen Mineralstoffe, um die alternden Gelenke zu unterstützen, sowie Vitamine, die im Verbund mit dem Protein das Immunsystem stärken und bei der Bekämpfung von Infektionen helfen. Denn mit zunehmendem Alter wird die körpereigene Abwehr schwächer. Diese Seniorenkost gibt es als Feucht- und Trockenfutter.

Das klingt alles sehr plausibel und ist trotzdem nicht immer geeignet, weil jedes Tier seine ganz individuellen Bedürfnisse hat. Einige ältere Katzen reagieren allergisch auf ein Übermaß an Proteinen, seien sie auch noch so optimal ausbalanciert. Bei anderen ruft proteinreiches Futter schwere Durchfallattacken hervor und nicht selten steigen auch noch die Nierenwerte besorgniserregend an. Eine der besten Fütterungsmethoden ist immer noch eine ausgewogene Mischkost aus hochwertigem Feucht- und Trockenfutter. Zur Abwechslung können Sie auch mal gedünstetes Geflügel und Fisch mit Reis oder Rohfleisch anbieten. Kommt es zu Futterunverträglichkeiten, müssen Sie den Ursachen auf den Grund gehen und in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt eine gut verträgliche Fütterungsstrategie entwickeln.

War der kleine Oldie schon immer ein naschhafter und mäkeliger Fresser, der von je her nur ganz bestimmte Nahrung akzeptierte, sollten Sie die neue, ungewohnte Kost zunächst in kleinen Häppchen dem bisher üblichen Futter beimischen und immer mehr Neues dazu geben, bis es problemlos gefressen wird. Verteilen Sie die Mahlzeiten in kleinen Portionen über den Tag. Durch den zunehmend nachlassenden Geruchs- und Geschmackssinn lässt nicht selten auch der Appetit nach. Um das Tier zum Fressen anzuregen, dürfen Sie ein bisschen tricksen: eine zerdrückte Ölsardine, ein Teelöffel Thunfisch oder ein paar Tropfen Fleischbrühe machen jede Mahlzeit verlockender. Hilfreich ist auch das leichte Anwärmen des Futters, damit es für die Katzennase appetitlicher duftet.

Ebenso wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um die Nierenfunktion aufrecht zu erhalten. Auch hier ist Schummeln erlaubt: ein Schälchen Katzenmilch, ein bisschen Fleischbrühe im Trinkwasser oder eingeweichtes Trockenfutter sorgen mit für eine ausgeglichene Flüssigkeitsbilanz.


Die medizinische Versorgung

Regelmäßige medizinische Kontrollen sind für ältere Katzen ganz besonders wichtig. Zusätzlich zu den jährlichen Routineuntersuchungen können Sie Ihren Tierarzt auf spezielle Alters-Screenings ansprechen. Diese Screenings beinhalten eine Herzuntersuchung, eine Blutuntersuchung, zur Bestimmung der Nieren-, der allgemeinen Blut- und Blutzuckerwerte, sowie die Untersuchung einer Urinprobe, um Aufschluss über mögliche Blasenerkrankungen zu erhalten. Die Überwachung des Körpergewichts und der allgemeinen körperlichen Verfassung sind ebenfalls wichtige Kriterien. Notieren Sie sich ungewöhnliche Verhaltensweisen, Vorfälle und Anzeichen, um dem Tierarzt die Diagnose zu erleichtern.

Erfolgen zudem Entwurmung, Floh- und Zeckenprophylaxe regelmäßig, haben Sie bereits viel getan, um Alterserkrankungen vorzubeugen. Impfungen sollten wohl bedacht und mit dem Tierarzt besprochen werden. Nicht jede Impfung ist in gleichem Maße nützlich. Je älter das Tier ist, umso belastender kann eine Impfung sein. Hier müssen Nutzen und Risiko sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Zur Stärkung des Immunsystems der Oldies ist Astorin ImmuStim K gut geeignet. Sie können diese Tabletten über das Internet oder den Tierarzt beziehen. ImmuStim K wird kurativ angewandt. Die Gabe von einer Tablette täglich über einen Zeitraum von 30 Tagen kann nach einer mehrwöchigen Pause wiederholt werden. Die meisten Katzen lieben den Geschmack der kleinen Tabletten und würden am liebsten die ganze Packung auf einen Schlag vernaschen.


Würdevoll alt werden

Alterserscheinungen lassen sich leider nicht heilen, aber mildern. Zudem leiden nicht alle Katzen in gleichem Maße unter dem Älterwerden und es gibt einige Dinge, die das Leben der pelzigen Senioren erleichtern. Dazu gehören:


Tägliche Routine

     Katzen, egal ob jung oder alt, schätzen einen geregelten Tagesablauf. Eine kon-
     sequente tägliche Routine ist wichtig für das körperliche und seelische Wohl-
     befinden, denn das sorgt bei Ihrer Katze für Sicherheit und wirkt beruhigend.


Fell- & Krallenpflege

     Die wirklich alte Katze kann sich nicht mehr perfekt von Kopf bis Fuß putzen. Das
     Fell wird struppig und glänzt nicht mehr wie in früheren Tagen. Helfen Sie Ihrer
     Katze bei der Körperpflege! Fahren Sie während der täglichen Schmusestunde mit
     einem genoppten Spezialhandschuh übers Fell. So entfernen Sie die losen Wollhaare
     und glätten das Deckhaar. Bei Langhaarkatzen müssen Sie jedoch zum Kamm greifen,
     um ein Verfilzen des Fells zu verhindern. Sanfte Bürstenmassagen sind ebenfalls gut
     geeignet zur Fellpflege und fördern den Hautstoffwechsel. Bei dieser Gelegenheit
     können auch die steifen Gelenke durch eine leichte Massage stimuliert werden. Mit
     einem lauwarm angefeuchteten weichen Tuch halten Sie Hals, Brust und Analbereich
     sauber.

     Viele Senioren bearbeiten den Kratzbaum nicht mehr so oft und ausgiebig. Sie können
     die Krallen nicht mehr selbständig kurz halten und bleiben an Textilien oder Teppich-
     schlaufen hängen. Kürzen sie die Krallenspitzen mit einer Krallenschere.


Check von Zähnen & Zahnfleisch

     Kontrollieren Sie regelmäßig die Maulhöhle, ob Zähne und Zahnfleisch in Ordnung
     sind und lassen Sie regelmäßig beim Tierarzt Zahnstein entfernen. Alarmzeichen für
     Zahnprobleme oder Zahnfleischentzündungen sind unter anderem Appetitlosigkeit,
     starkes Speicheln, Zahnfleischbluten oder Mundgeruch. Spätestens jetzt sollte die   
     Katze einem Tierarzt vorgestellt werden. Das gilt auch für junge Miezen.


Altersgerechte Pipibox

     Im fortgeschrittenenen Alter werden manche Katzen inkontinent. Lassen Sie vom
     Tierarzt abklären, ob eine Blasen- oder Nierenerkrankung vorliegt. Statten Sie den
     Liegeplatz Ihres inkontinenten Tieres mit einer wasserundurchlässigen Unterlage aus.

     Eine Katzentoilette mit flacherem Einstieg schont die Gelenke. Da bei Freigängern
     schwer zu kontrollieren ist, ob sie sich regelmäßig erleichtern können, sollten Sie das
     Bereitstellen eines Klohäuschens oder einer flachen Wanne erwägen, die Sie diskret
     in einer Terrassenecke abstellen können.


Sprechen Sie das alte Tier sanft an, bevor Sie es berühren, damit es sich nicht erschreckt. Sorgen Sie für zusätzliche Wärme, z.B. mit einer weich umhüllten Wärmflasche oder einem mit Styroporkügelchen gefüllten, wärmeaktivierenden Liegekissen. Stellen Sie einen Schlafplatz bereit, der auch für ein Tier mit steifen Gelenken leicht zugänglich ist, oder installieren Sie eine sichere Rampe, die zur Schlafstätte führt. Vermeiden Sie nach Möglichkeit Veränderungen oder laute Ablenkung. Findet eine Party statt, stellen Sie der kleinen Seniorin ein ruhiges Zimmer als Rückzugsort zur Verfügung. Für das allgemeine Wohlbefinden ihrer reifen Schönheit können Sie Aromatherapieöle einsetzen, die in speziellen Duftlampen erhitzt werden, um ihre ätherischen Stoffe frei zu setzen. Basilikum kann einer Katze bei Depression oder Ängstlichkeit helfen, Kamille und Lavendel fördern Ruhe, Zimt und Pfefferminze bringen lethargische Katzen wieder in Schwung.

Denken Sie daran: das richtige Maß an menschlicher Liebe und Zuwendung, verbunden mit regelmäßiger medizinischer Versorgung, helfen Ihrer reifen Lebensgefährtin, in Ruhe und Würde zu altern.

 

 

 

© Text: Gisela Teubner
Fotos: FIFe-ICs. Domenico & Enzo v. Eksoer, © Gisela Teubner