Birmchen in silver & smoke


Neben Birmelis in „traditionellen“ Mustern erfreuen sich mittlerweile auch die Birmchen der Silber-Varietäten immer größerer Beliebtheit, obwohl sie noch nicht von allen Rassekatzenverbänden anerkannt werden.


Das I-Gen ist (fast) an allem schuld!

Verantwortlich für die Varietäten silver und smoke ist der Melanin-Inhibitor, auch Silberinhibitor, Inhibitor-Gen oder I-Gen genannt. Der Name ist abgeleitet vom englischen to inhibit = verhindern. Und damit ist das genetische Geheimnis der Silver- und Smoke-Varianten größtenteils gelüftet. Das I-Gen kann die Einlagerung von Farbpigmenten im wachsenden Haar stark einschränken. Das betrifft sowohl die Agouti-Bänderung im Haarschaft von Tabbykatzen, als auch die Einlagerung von Farbpigmenten im unteren Teil des einzelnen Haares bei Katzen ohne Tabbyzeichnung (non-agouti). Daraus resultiert bei smoke ein aschweißes bis silberweißes Haar mit farbiger Spitze. Diese Art der Färbung wird auch Ticking oder Spitzenausfärbung genannt. Bei tabby führt das I-Gen zur Bänderung zwischen silber- weißen und normal gefärbten Abschnitten, dem Tipping.


Das I-Gen und die Folgen

Das I-Gen ist ein Major-Gen (Haupt-Gen, dominantes Gen). Es verhält sich jedoch nur unvollständig dominant zu nichtsilber (i). Je nach Ausprägung ist der nicht pigmentierte Abschnitt des Haares mal länger und mal kürzer. Die durch das I-Gen verursachte Silberung ist keine Farbe, sondern eine Musterausprägung. Das Gleiche gilt auch für Golden.


smoke-point (non agouti)

     Bei reinerbigem (I/I) oder mischerbigem (I/i) Silberinhibitor ohne Agouti-Gen (a)
     entsteht keine Haarbänderung (Tipping). Nur die Haaransätze sind silbern und der
     Rest des Haares ist zwischen 1/3 bis 1/2 durchgefärbt.

     Bei Smoke-Katzen gibt es keine verschiedenen Bezeichungen für die unterschied-
     lichen Intensitätsgrade der Silberung. Der silberne Abschnitt des einzelnen
     Katzenhaares kann sich von kaum sichtbar bis zu etwa 2/3 des Haarschafts
     erstrecken. Oftmals ist dieser silberne Bereich zwar hell, jedoch nicht so weiß wie
     bei Tabby-Varietäten. Es scheint eine Restpigmentierung stattzufinden und unter den
     durchgefärbten Spitzen herrscht ein aschgrauer bis aschweißer Farbton vor. Die
     Maske von smoke point Katzen wird durch die hellere Basis oft etwas stichelig und ist
     nicht mehr richtig durchgefärbt.


silver-tabby (agouti)

     Hier spielen I-Gen und Agouti-Gen zusammen und bewirken ein Muster auf silber-
     weißem Untergrund. Zwischen 1/3 und 2/3 des Haarschafts sind unpigmentiert. In
     den dunklen Bändern wird der Melaninfarbstoff in normaler Intensität eingelagert.
     Die Bänder dazwischen sind silberweiß. Dadurch entsteht ein starker Kontrast
     zwischen Zeichnungsmuster und Untergrund. Bei Tabbies ist der Kontrast in den
     Points oft sehr viel deutlicher und schärfer ausgeprägt als bei Smoke-Varietäten.

 


Die Poly-Gene

Neben dem I-Gen spielen auch die Poly-Gene (poly = viel) eine große Rolle bei der Silberung. In Ver- bindung mit Poly-Genen kann es zu unterschiedlichen Merkmalsausprägungen kommen. Poly-Gene, auch als Neben-Gene bezeichnet, sind als einzelnes Gen unbedeutend. Aber in größerer Anzahl können sie die Wirkung eines Haupt-Gens unterstützen (+ Poly-Gene) oder behindern (- Poly-Gene). Die Poly-Gene beeinflussen nicht nur Haarlänge und Felldichte, sondern auch unterschiedliche Ausprägungen von Fellfarben. Sie sind außerdem für die Intensität der Augenfarbe mitverantwortlich. Selbst Körperbau und Körpergröße werden polygenetisch beeinflusst. Der Genetikexperte Roy Robinson vermutete, dass ein weiteres Gen eine Schlüsselrolle bei der Ausprägung von Silber spiele: Das wide band- bzw. Breitband-Gen (Wb).


Das wide band-Gen (Wb)

Beim Breitband-Gen (Wb) handelt es sich um einen Faktor, der das helle Band im Agoutihaar verbreitert. Folgt man Robinsons Ausführungen, dann ist das Breitband-Gen bei der Silberung ein enger Gefährte des I-Gens, kann aber auch ohne den Silberinhibitor auftreten. Seine volle Wirkung kann das Breitband-Gen nur im Zusammenhang mit dem Agouti-Gen entfalten, weil es dann eine Ausdehnung der Bänderung bewirkt.

Das Wb-Gen verursacht außerdem die Musterausprägung von goldenen und golden tabby Katzen. Goldstücke fallen aus der Verpaarung von mischerbigen Chinchilla-Eltern (I/i). Genetisch sind die goldenen Katzen nichtsilber (i/i). Die Haare der goldenen Katzen weisen ein erweitertes Agoutiband auf. Dieses helle Band ist goldgelb gefärbt und tritt in den gleichen Abstufungen auf wie die Silberung.

Allerdings können derzeit nicht alle Thesen über das Wb-Gen zweifelsfrei nachgewiesen werden. Inzwischen geht man davon aus, dass die Intensität des Silberinhibitors und die damit verbundene Erweiterung des hellen Agoutibandes polygen gesteuert werden. Durch eine selektive Zucht kann demzufolge eine Zunahme des Silberanteils im Haar verstärkt werden. Das zeigt sich am deutlichsten bei der Zucht von Chinchillas, der extremsten Form aller Silberkatzen.

Aber so leicht lassen sich einige Verfechter der Breitband-Theorie nicht überzeugen. Sie führen an, dass alle goldenen Katzen bernsteingelbe bis kupferfarbene Augen hätten. Das weise eindeutig auf eine Beteiligung des Wb-Gens hin. Diese These klingt gut, ist aber löchrig wie ein Schweizer Käse. Betrachtet man sich z.B. die goldenen Perser wird man sofort bemerken, dass diese Katzen nicht nur ein prächtiges, golden getöntes Fell, sondern auch schöne smaragd- bis limonengrüne Augen haben. Das spricht für einen polygenen Einfluss.

Fakt ist, die Beteiligung des Breitband-Gens an der Silberung kann zum derzeitigen Stand der Dinge weder eindeutig nachgewiesen noch gänzlich ausgeschlossen werden. Folgendes in Sachen Breitband-Gen ist jedoch als gesichert zu betrachten:


Das Allel Wb (Breitband) ist vollständig oder unvollständig dominant über
     das Allel wb (normale Bänderung). Folglich ist das Allel wb rezessiv
     gegenüber dem Allel Wb.

Liegt das Allel wb in reinerbiger Form (homozygot) vor, führt das zum
     normalen, hellen Agoutiband in gewohnter Breite.

Im Gegensatz zum rezessiven Allel wb verbreitert das dominante Allel
     Wb das helle Haar im Agoutiband.


Da das Breitband-Gen ein dominantes oder unvollständig dominantes Gen ist, das sowohl bei silbernen als auch bei nichtsilbernen Katzen vorkommen kann, beeinflusst es auch die Tabbyzeichnung. Das Gen kann von den silbernen Elterntieren an den nichtsilbernen Nachwuchs weitergegeben werden. Liegt das Allel Wb bei einer nichtsilbernen tabby point Birmakatze vor, ist die Tabbyzeichnung undeutlich und verwischt, weil das Muster auseinandergezogen wird – ebenso wie bei den erwähnten goldenen Katzen.


Allele & Chromosomen: Eine kleine Begriffserklärung    

Ein Allel ist eines von 2 einander entsprechenden Genen in sich entsprechenden, übereinstimmenden Chromosomen. Im Klartext: Ein Allel ist die mögliche Ausprägung eines Gens, das sich an einem genau bestimmbaren Ort, dem Genlocus, auf einem Chromosom, dem Träger des Erbguts, befindet. Ein Chromosomenpaar enthält die Erbinformationen beider Eltern. Die sind entweder reinerbig (homozygot) oder mischerbig (heterozygot) und geben diese Erbinformationen an den Nachwuchs weiter.

Einige Beispiele für Allele und deren Auswirkung:

 Agouti (Bänderung)

A
a

 Bänderung (schwarz, gelb, Tabbymuster)
 ohne Bänderung (schwarz, ohne Tabbymuster)

 Farbe

B
Bb
b
bl

 black (reinerbig schwarz, seal)
 black, chocolate carrier (schwarz, Chocolate-Träger)
 brown (chocolate)
 brown light (hellbraun, cinnamon)

 Coloration

C
cs
cb
ca
c

 Vollfarbe am ganzen Körper
 Maskenfaktor (Pointkatzen)
 burmabraun
 albinoweiß (Albino mit hell wasserblauen Augen)
 fehlende Pigmentierung (Albino mit roten Augen)

 Dilution (Verdünnung)

D

d

Dd

 dichte Pigmentierung (keine Verdünnung)
 (chocolate, cinnamon, red, seal)
 Verdünnung / Aufhellung
 (blue, cream, fawn, lilac)
 Träger des Verdünnungsgens

 Haarlänge

L
l

 Kurzhaar
 Langhaar

 Inhibitor

I
i

 silber
 nichtsilber


Die Spielregeln von Genotyp & Phänotyp gelten nicht für Silberkatzen!

Eine besondere Tücke in der Katzengenetik ist das Wechselspiel von Genotyp und Phänotyp; dem was wir sehen und dem was tatsächlich vorhanden ist. Grundsätzlich gilt folgendes:


Der Phänotyp bezeichnet das äußere Erscheinungsbild einer Katze,
     also alles, was wir sehen können.

Der Genotyp ist das kätzische Erbgut; eben alles was drin ist.
     Völlig unabhängig davon, ob wir die Ausprägung dieser Gene
     sehen können oder nicht.


Das ist so ähnlich wie mit einer Wundertüte. Das was außen auf der Tüte steht, lässt nicht unbedingt Rückschlüsse auf den Inhalt zu. So kann z.B. eine seal Birma Träger des Verdünnungs-Gens sein, auch wenn sie optisch (phänotypisch) eine seal Birmakatze ist.

Doch diese Spielregeln gelten nicht für Silberkatzen! Der Silberinhibitor (I) ist ein dominantes Gen und kann nicht verdeckt getragen werden. Eine Silberkatze zeigt die Silberung, wenn auch mal mehr und mal weniger ausgeprägt.


Die Tücken der Farbbestimmung: Silber oder nicht?

Sowohl die Allelkombination I/I (reinerbig) als auch I/i (mischerbig) ergeben eine Silberkatze. Rückschlüsse über den genauen Genotyp können bei entsprechender Verpaarung anhand des Nach- wuchses gezogen werden. Kleine Silberkatzen können nur dann fallen, wenn wenigstens eines der Elterntiere ein Silberling ist. Sind beide silbernen Elterntiere mischerbig für nichtsilber, kann auch nichtsilberner Nachwuchs das Licht der Welt erblicken.

Nichtsilber (keine Inhibition) wird nur bewirkt, wenn das Allel i reinerbig vorliegt. Das Gen muss also von beiden Eltern an das Jungtier gegeben werden. Sind beide Eltern nichtsilber (i/i), fallen auch keine Silberkitten. Das rezessive Gen für nichtsilber (i) kann über mehrere Generationen verdeckt im Erbgut getragen werden.

Katzen in verdünnten Farben wie blue, cream und lilac mit einem geringen Silberanteil verdecken silber besser als es beispielsweise eine seal Katze mit schwacher Silberausprägung tut. Trotzdem hat das Verdünnungs-Gen keinen Einfluss auf die Eigenschaften des Silber-Gens oder umgekehrt. Ist der Silberanteil bei der Katze eher schwach ausgeprägt (low silver), wird die Farbbestimmung schwierig. Schuld an einer eventuellen Fehlbeurteilung sind die helle Farbe und der polygenetisch gesteuerte Silbergrad.

Grundsätzlich gilt: Silber braucht eine gewisse Zeit bis zur endgültigen Ausprägung. Selbst bei sehr musterstarken silbernen Jungtieren kann es immer wieder Phasen geben, in denen diese Musteraus- prägung schlecht zu erkennen ist. Erst im Alter von ca. 1 Jahr ist bei smoke point und silver tabby Birmchen die Silberung voll entwickelt.

Es passiert immer wieder bei Kreuzungen von Silberlingen, dass der Nachwuchs im Silberanteil eine dauerhaft gelbliche bis bräunlich-gelbe Verfärbung zeigt. Es handelt sich dabei nicht um goldene Birmchen, wie man vielleicht vermuten könnte. Es ist einfach ein züchterisches Problem. Silber kann nur dann seine volle Wirkung entfalten, wenn jegliche Andeutung von bräunlicher oder gelblicher Über- flutung (Rufismus) fehlt. Der Intensitätsgrad und die Reinheit des Silbers zeigen an, wie viel Erfolg dem Züchter beim Ausschalten von Fehlern durch sorgfältige selektive Züchtung beschieden war.


Ist der Silberinhibitor (I) genetisch nachweisbar?

Leider sieht es aktuell noch düster aus mit einer eindeutigen genetischen Bestimmung des Silber- inhibitors. Aber es zeichnet sich ein erster kleiner Erfolg in der Forschung ab: Laboklin, dem Labor für klinische Diagnostik, ist es inzwischen gelungen, die Gen-Region einzugrenzen auf der silber zu finden ist, auch wenn die eigentliche Mutation bisher noch nicht lokalisiert werden konnte. Der genaue Genlocus steht also noch nicht fest. Das bedeutet für alle Silberbirma-Züchter, dass sie sich weiterhin in Geduld fassen müssen, bis ein zuverlässiger Silber-Gentest zur Verfügung steht.


Quellennachweise

Gabriele Fourate
     „Katzen und Genetik“    
     Begleitmaterial zu einem Farbseminar, Ausgabe 01/2010

Claudia Landgrafe
   „Die Farben der Katzen: Farbvererbung einfach erklärt“
     Books on Demand, 2007
     ISBN 10: 3833494867
     ISBN 13: 978-3833494864

Claudia Ricken:
     „Genetik der Heiligen Birmakatze“
     Books on Demand, zu beziehen über den Birma-Club Deutschland

Roy Robinson
   „Genetik für Katzenzüchter“
     Pergamon Press, London, 1971
     ISBN 10: 3924975000
     ISBN 13: 978-3924975005

Sandra Storch
     „Vererbtes Design: Zucht, Genetik, Gesundheit und Farben der Katze“
      Books on Demand, 2006
      ISBN 10: 3833467665
      ISBN 13: 978-3833467660

Jan Varějčo (Jan Varejcko)
     „Rassekatzen“
     Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin, 1986 

Illustrierte Fachzeitschrift für Katzenfreunde „die edelkatze“
  
Ausgabe 3/2009: Die goldene Perser
     Ausgabe 4/2009: Die goldene Perser, Teil II
     ISSN 0013-0826
     Herausgeber: 1. Deutscher Edelkatzenzüchter-Verband e.V. (1. DEKZV e.V.)


Ein dickes, kugelrundes Dankeschön

Die Genetik der Silberkatzen ist ein spannendes, aber auch tückisches Gebiet, bei dem man sich schnell vergaloppieren kann. Vieles ist gesichert, aber vieles beruht zurzeit noch auf Indizien und Vermutungen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich auch die Literaturquellen in einigen Dingen heftig widersprechen. Das trifft besonders auf die Rollen von Poly-Genen und Breitband-Gen zu.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch ein dickes Dankeschön loswerden: Einmal an die leider viel zu früh verstorbene Claudia Ricken (Cattery RiBo's), die mir bei vielen Knackpunkten hilfreich, geduldig und kompetent zur Seite stand. Ein weiteres Dankeschön an Johannes Bohusch (Cattery RiBo's), der mir immer aus der Patsche half, wenn ich ein Verständnisproblem hatte. Und last but not least ein Dankeschön an Jeannette Papke (Cattery von Latium), die mich so umfangreich mit Fachliteratur versorgte. Danke euch Dreien! Ohne eure Unterstützung hätte ich mich nicht an dieses Thema heran gewagt.


Schlussanmerkung

Bei den hier abgebildeten Birmakatzen handelt es sich um Birmchen in tortie point und solid point und nicht um Silber-Varietäten. Zum einen, weil ich keine wirklich guten aussagekräftigen Fotos von Silberbirmas auftreiben konnte (von guten Detailaufnahmen ganz zu schweigen) und zum anderen, weil auf vielen Fotografien die Silberung selbst bei sehr gut ausgeprägten Silberlingen für einen Laien oft nur schwer erkennbar ist.

 

 

 

© Text: Gisela Teubner
© Fotos: Mikko Pitkänen