Boris vom Tierschutz


Wir bekamen Bärchen (später Boris genannt) im Alter von ca. 1 ½ Jahren vom Tierschutz als Spiel- gefährten für Tron Baron of Merlins Castle, genannt Tibor. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bärchen schon viel Schlimmes erlebt und war entsprechend traumatisiert. Ursprünglich lebte er mit einer weißen Perserkatze namens Muschi bei einer alten Dame. Als diese verstarb, hausten die beiden Tiere fast 2 Wochen lang in der Wohnung mit der Toten. Nach der Wohnungsräumung wurden die beiden dem Tierschutz übergeben. Muschi fand liebe neue Dosenöffner. Bärchen wurde mehrfach vermittelt und immer wieder zurückgebracht mit der Begründung, dass er so „schwierig“ sei. Schließlich landete er auf einer Pflegestelle. Dort wurde er in „Einzelhaft“ gehalten und brütete in einem Zimmer mit Fensterblick stumpf vor sich hin. Sein Kontakt mit Menschen beschränkte sich auf das Säubern der Katzentoilette und Futtergaben. Als wir Bärchen das erste Mal sahen, wirkte er auf uns nicht wirklich verwahrlost aber auch nicht besonders gepflegt. Sein Fell war etwas struppig mit Filzknötchen am Bauch, er hatte Tränenstein in den Augenwinkeln, die Ohren hätten sauberer sein dürfen. Bärchen kauerte auf der Fensterbank und sah uns mit seinen schönen kupferfarbenen Augen traurig an. Wir bezahlten eine Schutzgebühr und nahmen ihn mit…

Zu Hause angekommen taufte ich den Kater um von Bärchen in Boris (Kämpfer). Einen unpassenderen Namen hätte ich nicht wählen können. Boris war kein Kämpfer. Boris war ein Riese mit zarter Seele und noch zarterem Stimmchen. Und er hatte ein großes Problem mit Frauen! Er hatte Angst vor Frauen und fürchtete sich vor mir. Sobald ich etwas lauter sprach oder lachte, ging Boris in Deckung oder nässte sich ein. Mehr als einmal wurde mir plötzlich ganz warm und feucht ums Herz, wenn ich Boris in den Armen hielt… er hatte mich aus Angst angepinkelt. Es dauerte gut 2 Jahre bis wir uns miteinander angefreundet hatten. Sein Lieblingsmensch war und blieb jedoch mein Mann. Schmusen mit mir mochte er nur, wenn „sein“ Mensch abwesend war. Mit Perserkater Tibor verstand sich Boris prächtig. Die Beiden waren lebenslang dicke Freunde und heckten gemeinsam ständig etwas aus.

Boris war kein großes intellektuelles Licht. Er war lieb, aber ein klitzekleines bisschen doof und tapsig - na und?! Ich hatte ihn trotzdem gern. Doch bei einer Sache war Boris ein Genie: Immer wenn die Brotschneidemaschine lief! Boris hörte das elektrische *schnurr-schnurr* der „Rock & Roll-Machine“ sogar im Tiefschlaf. Dann gab es kein Halten mehr! Wie ein cremefarbener Blitz spurtete er in die Küche, weil er wusste: Brotschneider -> Brot. Brot -> Wurst. Wurst -> lecker! Da fällt was für mich ab!

Heute bin ich davon überzeugt, dass Boris uns einfach veräppelte indem er das Trottelchen spielte. Denn wenn man schlau ist, kann man sich doof stellen – umgekehrt wird es wesentlich schwieriger…

*schnurr-schnurr*… Oh! die Brotschneidemaschine läuft… ich… ich muss in die Küche…

Boris vom Tierschutz
Perser-Schnuckel in creme
(1983 – 1999)


Fotogalerie

Den Link zu einer kleinen Pfoddo-Serie von Boris und seinem besten Kumpel Tibor finden Sie unter der Rubrik „Amüsantes → Aus dem Katzenalltag → Die Sache mit dem Krautsalat“

 

 

 

© Text & Foto: Gisela Teubner