Maurizio vom Tierschutz


Eine Geschichte über einen kleinen Perser: Mäxchen vom Tierschutz, genannt Maurizio. Seine Geschichte ist nur eine von vielen traurigen Tiergeschichten. Aber es ist eine Geschichte, die ein gutes Ende fand.

Mäxchen wurde im Alter von ca. 4 – 5 Monaten im bitterkalten Februar 1997 von einer Reiterin am Rande des Reitwegs gefunden. Fast erfroren und verhungert, total entkräftet, mit völlig verklebtem und verfilztem Fell lag er da im Gras. Hätte ihr Pferd nicht gescheut, dann wäre Mäxchen vermutlich von der Reiterin nie entdeckt worden und hätte die nächste Nacht nicht überlebt. Die Frau steckte den kleinen Perserkater in ihre Reitjacke, ritt nach Hause und übergab ihn nach einer Erstversorgung dem Tierschutz. Dort schor man im erst mal das verfilzte Fell und päppelte ihn auf. Schnell stellte sich heraus, dass Mäxchen Lähmungserscheinungen in den Hinterbeinen hatte. Wenn er versuchte aufzustehen, fiel er um. Er brauchte 2 – 3 Anläufe um auf seinen Beinen stehen zu können und lief steif und unsicher. Nach etwa 2 Monaten war der kleine Perser einigermaßen stabil, nur das Laufen blieb zunächst problematisch.

Kurz vor Ostern meinte mein Mann, bei unseren Tierschutzfreunden säße ein kleiner Perser in der Farbe black smoke, der ein neues Zuhause bräuchte. Nein! Ich wollte nicht! Auf keinen Fall! Hatte ich nicht erst kurz zuvor meinen geliebten black smoke Perser Tibor zu Grabe getragen? Nein, ich wollte diesen Kater nicht sehen und erst recht nicht haben. Irgendwann hatte mein Mann mich „weichgeklopft“. Wir fuhren zu unseren Freunden und da sah ich ihn… diesen kleinen krüppeligen Kerl. Trotz seiner Schwierigkeiten beim Laufen hatte er eine unglaubliche Energie und einen umwerfenden Charme. Er spielte wie ein Teufel mit den anderen Katzen obwohl er bei jedem Stups umfiel. Ich schmolz dahin. 2 Tage später, Gründonnerstag 1997, zog Maurizio, wie ich ihn zwischenzeitlich getauft hatte, bei uns ein. Weil er so schmächtig war und der Kopf zum Körper so unverhältnismäßig groß wirkte, nannte ich ihn zunächst „meine afrikanische Wanderameise“.

Dann folgte der nächste Schock: Nicht nur, dass der Kater nicht besonders gut lief, er hatte auch eine schwere Blasenfunktionsstörung. Wenn er schlief, konnte er das Wasser nicht halten. Eine Unter- suchung in der Tierklinik förderte Erschütterndes zu Tage. Die Röntgenaufnahme zeigte: Der Kater war misshandelt worden. Maurizio hatte einen schweren Schlag in den Rücken bekommen. Dadurch waren einige Wirbel gestaucht und im Lendenwirbelbereich war der Nerv, der die Blasenfunktion kontrolliert, dauerhaft geschädigt. Es folgte eine Langzeitbehandlung mit Vitamin B-Präparaten. Im Laufe der Zeit sah man Maurizio seine Gehbehinderung kaum noch an. Er spielte, rannte, raufte und tobte mit der Birma-Bande. Nur hohe Sprünge waren nicht möglich und wenn er aus dem Schlaf erwachte, waren seine ersten Schritte steif und ungelenk. Das Einnässen wurde besser, verschwand jedoch nie ganz. Er litt im Schlaf manchmal unter Spasmen (Krämpfen) in den Hinterbeinen. Wir stellten uns darauf ein. Auf seine Schlafplätze kamen saugfähige Unterlagen. Manch einer fragte, warum wir den „Pisser“ nicht einschläfern lassen würden. Ich habe immer darauf geantwortet: „Schläfert man einen Menschen ein, nur weil er inkontinent ist?“ damit brachte ich diese Menschen zum Schweigen.

Zugegeben, Maurizio blieb zeitlebens unser Sorgenkind. Aber er war voller Energie und Lebensfreude! Nach allem was er zuvor erleiden musste, hatte er jedes Recht auf ein schönes Leben. Leider wurde er nur knapp 9 Jahre alt. Er starb im Jahr 2005 an akutem Nierenversagen. Aber er hatte bei uns schöne Jahre und ich verdanke ihm viele lustige Erinnerungen. Maurizio war ein Dickschädel, häufig muffig und schlecht gelaunt, nicht selten auf Krawall gebürstet aber uneingeschränkt liebenswert.

Maurizio vom Tierschutz
(1996 – 2005)


Fotogalerie

Maurizio, geliebter kleiner Trotzkopf

 

 

 

© Text & Foto: Gisela Teubner