Toulouse v.d. Saalburg


Einem dieser ulkigen Zufälle des Lebens war es zu verdanken, dass Toulouse bei uns einzog. Wir waren zu Besuch bei einer befreundeten Züchterin, von der wir bereits Picador und Robin Hood v.d. Saalburg gekauft hatten, da lief mir Toulouse buchstäblich über die Füße. Ich schaute nach unten: „Wer ist das denn?“ fragte ich. Prompt erfuhr ich, dass es sich bei dem molligen kleinen seal tabby Kater um Toulouse handele, , und er deshalb so moppelig wäre, weil er sich als Milchdieb betätige und seinen kleinen Halbgeschwistern der beiden Folgewürfe gerne die Muttermilch weg trinke, sobald sich ihm eine Gelegenheit dazu böte. Ich war hingerissen von diesem kleinen dicken Teddy. Und da war er wieder, dieser Sprachfehler, dem ich schon Picador v.d. Saalburg zu verdanken hatte: „Nehm‘ ich!“. Mein Mann sah mich an als sei ihm erst in diesem Moment klar geworden, dass er eine hoffnungslos Verrückte geheiratet hatte. Dann erfuhr ich von der Züchterin ein pikantes Detail. Toulouse war bereits einige Wochen zuvor an einen Züchter verkauft worden. Doch dann verplapperte sich der Käufer und erzählte, dass Toulouse sein zukünftiges Deckkater-Leben im Badezimmer fristen sollte. Daraufhin trat Toulousies Züchterin vom Kaufvertrag zurück. Jetzt hatte sie also einen knapp 5 Monate alten Kater in Zucht- und Ausstellungsqualität zu Hause, für den sie dringend liebevolles Personal suchte. Ließe sich in Kürze kein seriöser Züchter finden, wollte sie Toulouse kastrieren lassen und als Liebhabertier verkaufen. Zwar hatte ich bereits den kleinen Robin Hood zu Hause sitzen, der später einmal Deckkarriere machen sollte, aber sein 6 Monate jüngerer Bruder Toulouse war einfach zu gut, um das Experiment nicht zu wagen, einen zweiten Deckkater aufzuziehen. Sollte der Versuch scheitern, müsste einer der beiden Kater kastriert werden.

Ungefähr eine Woche später kam der große Tag und Toulouse zog bei uns ein. Zuhause angekommen schnappte ich mir meine beiden zukünftigen „Chefbefruchter“ und sprach mit ihnen ein ernstes Wörtchen: „Okay, Jungs! Machen wir einen Deal! Ihr pinkelt mir die Ecken nicht aus und ich lasse eure Kirschen in Ruhe!“. Doch im Grunde meines Herzens war ich der felsenfesten Überzeugung, das könne nicht gut gehen. Zudem wurde mir von allen Seiten das Schlimmste prophezeit. Spätestens nach der Geschlechtsreife würden die beiden sich prügeln und sich gegenseitig von Herzen verabscheuen bis ans Lebensende. Ich sei naiv zu glauben, eine Kastratenbande und zwei potente Kater halten zu können. Entgegen aller Voraussagen und allen Gerüchten zum Trotz ging es gut. Robin Hood, sein Bruder Toulouse und die Happy Boys verstanden sich prächtig. Aber nach einer langen und erfolgreichen Deckkarriere kam der Zeitpunkt, Toulouse im Alter von 9 Jahren in den Ruhestand zu schicken. Seine schönen und typstarken Söhne Domenico und Enzo v. Eksoer traten in Toulousies Pfotenabdrücke und übernahmen dessen Amt als Deckkater. Toulouse, der knuffig-schmusige Birma-Teddybär wurde im März 2012 kastriert.

Während der Vorbereitungen zu einer geplanten Zahnsanierung wurde dann am 22. Januar 2016 bei Toulouse alias Rasmus festgestellt, dass mein süßer Opa unheilbar krank war. Zungenkrebs. Die Diagnose kam völlig unerwartet - grausam plötzlich. Schweren Herzens entschied ich mich, ihn nicht mehr aus der Narkose erwachen zu lassen. Er ist erlöst und ich hoffe, er ist glücklich mit seinen Kumpels jenseits der Regenbogenbrücke.

Toulouse v.d. Saalburg
2003 - 2016


Fotogalerie

Album mit vielen Pfoddos von Toulouse


 

© Text & Foto: Gisela Teubner
Fotos: FIFe-EC. Toulouse v.d. Saalburg, © Gisela Teubner